Chicky, Angel und Secret schwimmen wieder in der Aussenlagune des Connylands. Seit vergangenem Wochenende ist das Wasser für die drei Meeressäuger endlich warm genug. Doch die Zukunft der letzten drei Delfine in der Schweiz ist ungewiss. Voraussichtlich im Sommer entscheidet das Parlament definitiv über ein Halte- oder Importverbot von Delfinen. Seit Monaten wehrt sich das Connyland dagegen.

Jetzt erhält der Freizeitpark aus Lipperswil TG Schützenhilfe von den grossen Schweizer Zoos. «Ein Importverbot für Delfine ist völlig unsinnig», ärgert sich Peter Dollinger, Geschäftsführer von Zooschweiz, dem sechs zoologische Gärten angehören. Zu den prominentesten zählen der Zoo Zürich und der «Zolli» in Basel. «Man kann nicht willkürlich einzelne Tierarten herauspicken und ein Verbot verhängen», sagt er.

Dollinger befürchtet, dass Tierschützer weitere Arten auf den Index setzen wollen – seien es Menschenaffen, Elefanten oder Flamingos. «Wo soll das enden?» Der Kurator des Zoo Zürich, Robert Zingg, ist derselben Meinung. Die Frage sei nicht, ob Tierschützer weitere Arten verbieten wollen, sondern wann. Dabei müsste die Qualität der Tierhaltung im Vordergrund stehen und keine Verbote. Der Direktor des Zoo Basel, Olivier Pagan, doppelt nach: Wenn Emotionen im Spiel seien wie bei den Delfinen, gefährde dies eine fundierte Entscheidung.

Bisher hat Zooschweiz eine Reihe von Parlamentariern per Brief über die Tragweite eines Verbots informiert. Schliessungen einzelner Zoos wären irgendwann die Folge, sagt Dollinger. «Das wurde wohl von den meisten Parlamentariern nicht zur Kenntnis genommen.» Nun ginge es darum, weitere Überzeugungsarbeit zu leisten.

Am Donnerstag berät die Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur (WBK) über ein Halte- oder Importverbot für Delfine. Ihr Entscheid gilt als wegweisend. Dollinger hofft, dass sich die WBK darauf einigt, Experten anzuhören, «damit sachlich über die Delfinarien diskutiert wird».

Einige WBK Mitglieder wie Christian Wasserfallen (FDP/BE) und Kathy Riklin (CVP/ZH) sprechen sich bereits dagegen aus, einzelne Arten auf einen Index zu setzen. Doch in der Kommission gibt es auch Befürworter, allen voran die Initiantin des Verbots, Isabelle Chevalley (GLP/VD). Sie ist genervt von Zooschweiz. «Wir wollen den Zoos keine Tiere verbieten, das stand nie zur Debatte.» Das sei überhaupt nicht mehrheitsfähig. Den Schweizer Zoos ginge es nur darum, dem Connyland zu helfen. Auch der Schweizer Tierschutz (STS) wiegelt ab. Weitere Tierverbote seien kein Thema, heisst es auf Anfrage.

Das Connyland hat unterdessen weitere Massnahmen ergriffen: Neben einem eigenen Gutachten über die Todesursache der beiden im November verstorbenen Delfine hat der Freizeitpark auch ein Rechtsgutachten eingeholt. Darin kommt Rechtsanwältin Isabelle Häner zum Schluss, dass ein Haltungs- oder Importverbot systemwidrig sei und dem Gesetzeswerk widerspreche.

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