Das sommerliche Wetter weckt die Lebensgeister der Zecken. Die Spinnentiere lauern zurzeit entlang von Laub- und Mischwäldern im Unterholz und in knietiefem Gras. Nähert sich Mensch oder Tier, lassen sie sich fallen und stechen zu. Wegen des frühen und warmen Frühlings sind die Zecken dieses Jahr in grosser Zahl aktiv.

Die Folgen: Bis Ende letzter Woche haben sich durch die kleinen Blutsauger 2000 Menschen mit Borreliose und 16 Menschen mit Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) infiziert (siehe Box). Insgesamt suchten 3000 Menschen wegen eines Zeckenstichs einen Arzt auf. Das zeigen neuste Zahlen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG).

Ein Rückgang der Fallzahlen ist nicht in Sicht. Die Dichte an Zecken, die einen Krankheitserreger in sich tragen, nimmt zu. Rund jede dritte Zecke trägt das Bakterium Borreliose in sich – in gewissen Regionen ist es gar jede zweite. Hinzu kommt, dass es immer neue Gebiete mit erhöhtem Risiko für eine FSME-Ansteckung gibt. Das bestätigt BAG-Sprecherin Mona Neidhart: «Neu hinzugekommen sind zum Beispiel verschiedene Orte in der Waadt.» So haben sich die FSME-Infektionen innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt, von 95 (2012) auf 205 (2013). Die Infektion kann bei Menschen Hirnhautentzündungen und in gewissen Fällen schwere Erkrankungen an Hirn und Rückenmark zur Folge haben. Etwa ein Prozent der Patienten stirbt an FSME.

In welchen Gebieten heute für die FSME besonders grosse Gefahr droht, zeigt die BAG-Karte (siehe Grafik). Für die rot eingefärbten Regionen hat das BAG eine Impfempfehlung herausgegeben. Eine Übertragung des FSME-Virus lässt sich so vermeiden. Der Zeckenexperte Norbert Satz schätzt, dass heute rund 17 Prozent der Bevölkerung geimpft sind. «Angesichts der Gefahr, die bei einem Stich droht, ist das aber zu wenig», sagt Satz. Er sieht deshalb bei der Prävention Handlungsbedarf. Doch beim BAG ist dieses Jahr keine Zeckenkampagne geplant.

Zwar hat sich die Zahl der geimpften Kinder seit 2005 stark verändert. Waren damals noch sechs Prozent der 8-Jährigen geimpft, sind es heute 26 Prozent und in Zeckengebieten bis zu 50 Prozent. Doch die am stärksten betroffene Altersklasse, die Erwachsenen, sind selten geimpft. Auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet infizieren sich die 60- bis 70-Jährigen am häufigsten.

Die Unfallversicherer registrieren jährlich insgesamt 9000 Zeckenfälle. Kostenpunkt: rund 8,2 Millionen Franken. Die Suva ist überzeugt, dass viele Zeckenstiche vermeidbar wären. «Das Risiko eines Zeckenstichs ist mit einfachen Verhaltensweisen verminderbar», sagt Felix Ineichen, Arbeitsmediziner bei der Suva. Da die Spinnentiere besonders häufig in die Kniekehlen, Leisten und Achselhöhlen stechen, sei im Wald das Tragen von langen Hosen wichtig. Zusätzliche Massnahmen können Zeckenschutzmittel für Haut und Kleider sein.

Sticht eine Zecke trotzdem zu, ist es wichtig, das Tier möglichst schnell zu entfernen. Grund dafür: «Zecken können die Infektion schon innerhalb einer Stunde übertragen», sagt Norbert Satz, Arzt für Zeckenerkrankung. Deshalb rät er, die Zecke bereits im Wald von der Haut zu kratzen. Zu Hause ist es wichtig, den Körper abzusuchen oder zu duschen und den Körper mit einem Badetuch stark abzuschrubben. So können sich die Zecken nicht unbemerkt am Rücken festsaugen.

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