VON LUKAS FÜGLISTER

Exakt 151 956 Junioren haben derzeit beim Schweizerischen Fussballverband (SFV) eine Spielerlizenz gelöst – das ist Rekord. Dazu kommen mehr als 20 000 unter 8-jährige F-Junioren, die keinen Spielerpass benötigen – und deshalb nicht erfasst sind. Ein Ende des Booms ist nicht in Sicht: Jährlich wächst die Zahl der Junioren um mehrere tausend. In den letzten 10 Jahren betrug die Zunahme 26 Prozent.

Die Folgen: Die Klubs sind der immensen Nachfrage nicht mehr gewachsen. Schon bei den Kleinsten gibt es Wartelisten und knallharte Probetrainings. Etwa beim Basler Klub BSC Old Boys: 1,5 Monate nach Saisonbeginn stehen bereits wieder 30 Kinder auf der Warteliste. «Ende Saison werden es 60 sein», sagt der Verantwortliche für die Jüngsten, Christian Schmid.

Er muss deshalb schon bei den unter 8-Jährigen nach Qualität selektionieren: Nach einem Probetraining entscheiden die Trainer, wer einen der begehrten Plätze kriegt. «Das ist zwar für die Kleinen sehr hart und auch für uns Trainer schwierig.» Doch ihnen bleibe keine andere Wahl. Die Juniorenabteilung der Old Boys umfasst bereits 500 Kinder. «Wir können von der Infrastruktur und vom Personal her unmöglich mehr Kids betreuen.»

Bianca Jasmund vom Fussballverband Nordwestschweiz kennt den Grund für den Boom in der Region Basel: «Solange der FC Basel erfolgreich ist, wird der Ansturm der Kinder nicht kleiner.»

Ähnlich sieht es in der Region Zürich aus: «Unsere Klubs sind am Anschlag», sagt Roman Hangarter vom Zürcher Fussballverband. «Es gibt zu wenige Fussballplätze. Und auch genügend Trainer und Vereinsfunktionäre zu rekrutieren, ist schwierig. Das können wir so schnell nicht ändern.»

So stehen beim FC Kloten derzeit rund 30 Kinder auf der Warteliste. Die Aufnahme erfolgt nach Eingang der Anmeldung. «Für die Kinder auf der Warteliste organisieren wir mittwochnachmittags eine Fussballschule – so können sie zumindest einmal pro Woche Fussball spielen», sagt Präsident Guido Altorfer.

Beim Schweizerischen Fussballverband ist man sich der Probleme, welche die Fussballbegeisterung auslöst, bewusst: «Über die Hälfte der Kinder, die einen Sport ausüben wollen, möchten Fussball spielen. Das führt zu Kapazitätsengpässen», sagt Luca Balduzzi, Ressortchef Breitensport.

Der Fussball habe vielerorts die Funktion, die früher die Jugendriege der Turnvereine hatte: die Kinder allgemein an den Sport heranzuführen. «Fussball ist der Einstiegssport Nummer eins geworden. Nach einigen Jahren wechseln viele Kinder in eine andere Sportart», so Balduzzi.

Abhilfe schaffen soll das dieses Jahr vom Bundesamt für Sport lancierte Programm «J&S Kids»: Wenn die Fussballtrainer den «J&S Kids»-Leiterkurs absolviert haben und ihre Kinder mindestens zur Hälfte polysportiv trainieren, profitieren die Vereine von einer Entschädigung des Bundes. So können sie ihre Trainer bezahlen.

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