Es war am 27. März, als SVP-Präsident Toni Brunner, FDP-Präsident Philipp Müller und CVP-Präsident Christophe Darbellay im Medienzentrum feierlich ihre Unterschrift unter ein dreiseitiges Papier setzten: den bürgerlichen Schulterschluss mit 13 Massnahmen.

Er ist «Makulatur», wie SVP-Präsident Toni Brunner im Interview sagt. «Ich habe inzwischen das Vertrauen verloren, dass es den zwei Mitte-Parteien wirklich ernst ist, einschneidende Massnahmen für den Standort Schweiz konsequent umzusetzen.» Für ihn sei das «eine bittere Erkenntnis». Er habe geglaubt, «wir könnten mit dem Schulterschluss die Grundlage für eine tragfähige, längerfristige Zusammenarbeit unter den bürgerlichen Kräften etablieren», sagt Brunner. «Doch das ist kein bürgerlicher Schulterschluss mehr. Die SVP ist die einzige verlässliche bürgerliche Kraft.»

Brunner geht mit FDP wie CVP hart ins Gericht. «Die FDP denkt nur an sich selbst.» Sie stimme «nicht mehr zuverlässig». Der CVP prophezeit er harte Zeiten. «Sie taumelt orientierungslos», sagt er. «Sie wird im Herbst daran zu beissen haben, als Partei überhaupt noch die 10-Prozent-Grenze zu überschreiten.» Das verschulde sie selbst, etwa mit ihrer Bundesrätin: «Ich sehe nur noch einen Unterschied zwischen Doris Leuthard und ihrem Vorgänger Moritz Leuenberger», sagt Brunner: «Die zweite Gotthard-Röhre.» Er wirft der CVP vor, ihr seien Jux, Halleluja und Selfies wichtiger als Inhalte. Nun müsse die SVP im Herbst «zu eigener Stärke finden».

Auch in der FDP und der CVP selbst desavouieren Parlamentarier den Schulterschluss. «Das war ein einmaliger Paukenschlag ohne Rückhalt», sagt FDP-Nationalrat Kurt Fluri. «Schall und Rauch.» Für Fluri ist klar, dass alle drei Parteien Fehler machten. «Alle hielten sich nicht daran: die SVP bei der Landwirtschaft, die CVP bei der Familie, die FDP bei Kultur und Forschung.» Und CVP-Nationalrat Ruedi Lustenberger, der dem Gewerbeflügel angehört, sagt: «Das ist nicht nur ein Schulterschluss, sondern ein Schulterschnellschuss.»

Das Interview mit Toni Brunner finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper