Der Milieu-Anwalt Valentin Landmann ist erschüttert. Und das will etwas heissen. Vom Finanzhai bis zu den Hells Angels hat der 66-Jährige schon jede Klientel verteidigt. Doch so etwas habe er noch nie gesehen, sagt er: «Wegen eines niederschwelligen Vorwurfs wurde mein Mandant beruflich ermordet», sagt Landmann. Es geht um die Geschichte eines weltberühmten Clowns, der sich bis vor zwei Wochen seine Auftritte in internationalen Manegen auswählen konnte. Jetzt ist alles anders. David Larible (59) steht nicht mehr wegen seiner Komik im Rampenlicht, sondern wegen Kindesmissbrauchs. Bereits hat ihm eine Weihnachtsshow in Stuttgart das einmonatige Engagement gekündigt.

Das Protokoll eines Niederganges: Am 20. November klicken in Lugano TI die Handschellen. Nach der letzten Vorstellung der Zirkus-Knie-Saison führen Polizisten den Künstler Larible ab. Es dauert zwei Tage, bis das Ereignis zu den Medien durchsickert. Am Dienstag berichtet die Tessiner Zeitung «Corriere del Ticino», ein Clown des Zirkus Knie sei verhaftet und für eine Anhörung der Zürcher Staatsanwaltschaft übergeben worden. Inzwischen sei er aber wieder auf freiem Fuss. Die Medien spekulieren bereits über ein Tötungs- oder Sexualdelikt, da die Zürcher Staatsanwaltschaft IV ermittelt – diese Abteilung ist für Kapitalverbrechen zuständig.

Am gleichen Tag bestätigt der Zirkus Knie in einer Medienmitteilung, beim Verhafteten handle es sich um ein Ensemble-Mitglied. «Die Gründe für die Festnahme sind unserem Unternehmen nicht bekannt. Einen Zusammenhang zwischen der Festnahme und dem Knie gibt es aus unserer Sicht nicht», schreibt die Zirkus-Familie.

Öffentliche Anschuldigungen
Am Mittwoch prangen der Name und das Gesicht des Clowns auf der Titelseite der Zeitung «Blick». Befragte Insider verraten Details zur Verhaftung Laribles; dass die Beamten gewartet hätten, bis die Zuschauer das Zelt verlassen haben, dass seine beiden Kinder neben ihm standen und geschockt waren, dass Larible sich ausgerechnet an seinen jüngsten Fans vergriffen haben soll. Konkret lautet der Vorwurf: sexuelle Handlung mit Minderjährigen.

Larible wird alles zu viel. Er zieht sich nach Verona (IT) in seine Heimat zurück und schweigt eisern zu den Vorwürfen. Valentin Landmann ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht sein Anwalt. Via «Blick» rät er dem Clown zum Schritt an die Öffentlichkeit. Jetzt zu schweigen, könne ihn vernichten. Doch Larible geht nicht darauf ein und postet auf Instagram ein Bild von sich mit nachdenklicher Miene. Er schreibt dazu: «Lächle, auch wenn dein Herz zerbricht, die Wolken werden sich verziehen.»

Das Unwetter geht nicht so schnell vorüber. Vor einer Woche doppelt die «SonntagsZeitung» nach; Larible habe einer 14-Jährigen die Liebe erklären wollen. Der Teenager habe den Clown an einer Vorstellung im Mai in Zürich kennen gelernt und die Telefonnummer ausgetauscht. Es sei zu einem Mittagessen in einem Zürcher Restaurant gekommen und später zu einem Wiedersehen in Zug. Dort habe Larible ein Hotelzimmer gebucht und von der 14-Jährigen Fotos gemacht. Zuletzt soll er ihr Zungenküsse gegeben haben. Der Image-Schaden ist total. Das ist Larible zu viel. Der Clown beginnt seine Flucht nach vorn und kontaktiert den Mann, der ihn Tage zuvor öffentlich kritisiert hatte: Valentin Landmann. Schon am vergangenen Montag übernahm dieser den Fall.

Der Gegenangriff
Seinem Klienten empfiehlt Landmann, ein Interview zu geben. «Sagt ein so berühmter Mann in einer solchen Situation nichts, kann dies tödlich sein», ist er überzeugt. Vor allem sei dieser Schritt notwendig, da die Vorwürfe weder Hand noch Fuss hätten. Auf einer Doppelseite durfte Larible gestern im «Blick» seine Unschuld beteuern. «Die Zungenküsse hat es nie gegeben», sagt er. Einzig zu einer Umarmung und einem Abschiedskuss auf die Stirn oder die Wange sei es gekommen. Auch weist er die Pädophilie-Vorwürfe zurück. «Ich liebe meine Frau und meine eigenen Kinder.»

Ob die Offensive von Larible aufgeht, wird sich zeigen. Noch ermittelt die Staatsanwaltschaft. Von niederschwelligen Vorwürfen ist derzeit keine Rede.

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