Der SC Bern gehört zu den ganz Grossen des Schweizer Eishockeys. In der eigenen Nachwuchs-Schmiede werden Jugendliche zu zukünftigen Spitzenspielern aufgebaut. Dazu gehört auch das Piccolo-Team der Jahrgänge 2001 und jünger. «Der Sonntag» hat jetzt erfahren, dass es innerhalb dieses Teams zu Übergriffen gekommen sein soll.

Markus C.*, einer der besten Spieler der Piccolos, hat angeblich mit «Fummel- und Rollenspielen» seine Mitspieler belästigt und terrorisiert. Die Vorfälle – die Rede ist auch von sexuellen Ereignissen – spielten sich bei den jeweils mehrtägigen Turnierteilnahmen ab. Die Buben übernachten dann in Schlafsälen, wie bei Skilagern.

Der 11-Jährige soll es dabei speziell auf den Buben einer ehemaligen Spitzen-Skifahrerin und FDP-Politikerin abgesehen haben. Die Mutter hat mit dem Gang an die Öffentlichkeit gedroht. Auch Eltern von anderen Spielern haben sich inzwischen organisiert und verlangen Massnahmen. Eine Strafanzeige ist bislang nicht eingereicht worden.

Der SCB ist sich der Brisanz der Angelegenheit bewusst und hat den Kinderschutz des Universitätsspitals Bern mit einer Untersuchung beauftragt. Schon diesen Mittwoch soll ein Bericht mit entsprechenden Empfehlungen vorliegen.

SCB-Geschäftsführer Marc Lüthi begründet das Vorgehen so: «Nur Fachleute sind in der Lage, herauszufinden, was wirklich vorgefallen ist. Es kommt nicht infrage, dass wir aufgrund von nicht gesicherten Fakten Massnahmen treffen. Diese könnten für die Beteiligten unabsehbare Folgen haben. Deshalb wurde der Kinderschutz mit einer Untersuchung beauftragt. Es kann sein, dass es sich einfach um dumme Bubenstreiche handelt. Aber es kann auch sein, dass wir hier ein ernsthaftes Problem haben. Um die richtige Entscheidung treffen zu können, die allen gerecht wird, sind wir auf die Hilfe von Experten angewiesen.»

Die Aufklärung der Vorwürfe ist für den SCB zusätzlich erschwert. Denn der Vater des beschuldigten Buben gehört zum Trainerstab des SCB-Nachwuchses. Und der Sohn gilt als einer der Besten seiner Altersklasse.
*Name von der Redaktion geändert

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