Die Festtage stehen vor der Tür, die Wintersportler sind bereit. Doch vielerorts ist die Schneesituation nicht optimal. In den Bergen hat es zu wenig geschneit. Dafür laufen jetzt die Beschneiungsanlagen auf Hochtouren. «Ohne diese Unterstützung könnten viele Bergbahnen an Weihnachten das Skigebiet nicht öffnen», sagt Hansueli Rhyner vom Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF).

Neuste Zahlen zeigen: Auf einer Fläche von rund 90 Quadratkilometern fallen mittlerweile künstliche Flocken. Das entspricht 40 Prozent der Pisten in der Schweiz – 2006 wurden erst 5 Prozent technisch beschneit. «In Anbetracht der zu erwartenden Klimaänderungen wird der Trend zur grossflächigen Beschneiung weiter zunehmen», sagt Rhyner.

Der Forscher vermutet aber auch: Da die Schneedecke unterhalb von 1300 Metern über Meer seit 1980 deutlich abgenommen hat, werden in Zukunft gewisse Skigebiete schliessen müssen, weil sich die Investitionen und Kosten für Beschneiungsanlagen nicht rechnen. Beschneien ist teuer: «Pro Pistenkilometer fallen rund eine Million Franken an», sagt Rhyner.

Die Beschneiung ist für viele Bergbahnen heute überlebenswichtig. «Zwischen Weihnachten und Neujahr machen die Skigebiete einen Viertel des Winterumsatzes. Es ist für sie also enorm wichtig, den Betrieb im Dezember aufnehmen zu können», sagt Andreas Keller, Sprecher von Seilbahnen Schweiz.

Deshalb investieren die Bergbahnen so viel wie noch nie in die technische Beschneiung. «Um auch in Zukunft den Saisonstart und niederschlagsarme Saisons abzusichern, erweiterten wir das Wasserreservoir Adler für 750 000 Franken», sagt Klaus Nussbaumer, Chef der Pizolbahnen. Nur so sei es möglich, die Skipisten unter 1000 Metern mit einer Grundbeschneiung zu versorgen.

Auch Adelboden investiert jährlich rund 250 000 Franken in Beschneiungsanlagen. Gesamthaft verfügt das Gebiet über 240 Schneekanonen und -lanzen. «Damit können wir 60 Prozent der Pisten beschneien», sagt Tourismusdirektor Urs Pfenninger. Noch mehr künstlicher Schnee liegt in Lenk. Dort können 80 Prozent der Pisten beschneit werden. Lenk scheut dafür auch keine Kosten. Der neue Speichersee Brenggen mit einem Volumen von 75 000 Kubikmetern hat mehr als 8 Millionen Franken gekostet. Auch Davos Klosters Bergbahnen verbauten im Sommer 7 Millionen Franken für einen neuen Speichersee am Jakobshorn.

Ungelöst ist vielerorts aber das Problem der Finanzierung von Beschneiungsanlagen. «Die meisten Bergbahnen tragen die Kosten heute immer noch alleine. Das ist nicht gerecht, denn der gesamte Tourismusort, von den Hotels über das Gewerbe bis zu den Restaurants und Schneesportschulen, profitiert davon. Sie alle brauchen den Schnee, damit Wintertourismus überhaupt möglich ist», sagt Silvio Schmid, Präsident der Dachorganisation Bergbahnen Graubünden.

Vorreiter einer breit abgestützten Finanzierung ist Flims Laax Falera. Die Weisse Arena hat 2004 eine von der öffentlichen Hand mitgetragene Infrastrukturgesellschaft gegründet. «Dieses Modell wird sich in den nächsten Jahren stark verbreiten. Bereits haben erste kleinere Gebiete wie beispielsweise Brigels nachgezogen», sagt Schmid.

Doch der Widerstand gegen die massive künstliche Beschneiung wächst. «Wir fordern Mässigung im Umgang mit Schneekanonen und vor allem keinen Einsatz von Steuergeldern», sagt Marcel Liner von Pro Natura. Die Seilbahnen sollen ihre Investitionen selber tragen können. «Der Bau eines Speichersees ist ein massiver Eingriff in den Naturraum», kritisiert er. Zudem benötige die Beschneiung so viel Strom wie die Stadt Biel in einem Jahr. Liner sagt: «Die Grenze des Verträglichen ist im Wintertourismus in Sachen technischer Infrastruktur überschritten.»

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper