VON NADJA PASTEGA

Am 29. November, dem Jahrestag der Annahme der Anti-Minarett-Initiative, kündigte der Islamische Zentralrat der Schweiz (IZRS) eine neue Volksinitiative an – Ziel: Das Minarettverbot wieder aus der Verfassung zu kippen. Das Initiativ-Komitee müsse bis Ende Dezember stehen, erklärte der IZRS. Doch nun zeigt sich: Die Lancierung der Volksinitiative gestaltet sich harzig. «Die Zusammenstellung des Komitees verzögert sich», sagt Oscar «Assadullah Mukhtar» Bergamin, Vorstandsmitglied des IZRS: «Das hat mit den Feiertagen zu tun.»

Der Islam-Rat stellt zwei Vertreter für das Initiativ-Komitee. Es handelt sich um Bergamin und Vorstandsmitglied Abdel Azziz Qaasim Illi. Doch mehrheitlich soll das Gremium mit «unabhängigen» Personen bestückt werden. Dazu scheut der IZRS keinen Aufwand: «Wir haben 70 Personen aus Politik, Wissenschaft und Kultur angeschrieben», sagt Bergamin: «Bisher haben sechs Personen zugesagt.» Namen will der IZRS keine nennen. 13 Absagen sind beim Islam-Rat eingegangen, die Mehrheit der Angefragten werde sich erst Mitte Januar entscheiden, so Bergamin.

Wie Recherchen des «Sonntags» zeigen, hat der Islamische Zentralrat Prominente im Visier. Zu den Wunschkandidaten gehört Georg Kreis, Präsident der Eidgenössischen Anti-Rassismus-Kommission. Kreis bestätigt, eine Anfrage erhalten zu haben. «Ich habe geantwortet, dass ich die Anfrage im Kollegium besprechen müsse. Dieses kommt erst wieder am 13. Januar zusammen.»

Auch Alt Bundesrichter Giusep Nay erhielt Post vom Zentralrat. «Ich werde mich nicht engagieren», erklärt Nay. Er stehe dem geplanten Initiativkomitee aber «allenfalls rechtsberatend zur Seite». Angefragt wurde ferner Werber Frank Bodin, der sich mit einer Plakatkampagne gegen die Anti-Minarett-Initiative engagiert hatte. Er habe dem IZRS ein abschlägiges Statement zukommen lassen, sagt Bodin: «Es ist im Moment nicht sinnvoll, eine Gegeninitiative zu lancieren. Ein solcher Vorstoss wäre chancenlos.» Mit der Annahme der Anti-Minarett-Initiative liege ein klarer Volkswille vor, den es zu respektieren gelte. Ähnlich sieht es Nationalrätin Francine John-Calame (Grüne), die ebenfalls eine Anfrage erhielt. Sie prognostiziert dem Islam-Rat einen «Misserfolg».

Doch der IZRS ist optimistisch. «Wir haben keinerlei Zweifel, dass wir die nötigen 100000 Unterschriften zusammenbekommen», sagt Bergamin. «Immerhin hat eine Million Schweizer gegen das Minarettverbot gestimmt.» Auch um die Finanzierung macht man sich keine Sorgen. So habe eine Schweizer Organisation ihre Mithilfe zugesichert, die «über eine breite finanzielle Basis» verfüge.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!