Die Lautsprecherdurchsage betraf für einmal keine Verspätung, keine Stellwerkstörung und auch nicht die Lage des nächsten Bahnsteigs links oder rechts in Fahrtrichtung – stattdessen teilte die SBB den überraschten Reisenden im Interregio von Zürich nach Basel am letzten Dienstag mit, dass die Billettkontrolle im Zug gefilmt werde. Es handle sich um eine durch Videokameras begleitete Ausbildung von Zugbegleitern. Die Aufnahmen würden anschliessend vernichtet.

Zahlende SBB-Kunden als unfreiwillige Gratisdarsteller in Videofilmen – das freut nicht jeden. Doch dafür zeigt man bei den SBB wenig Verständnis: «Wir machen die Durchsagen in den betroffenen Zügen bewusst», sagt SBB-Konzernsprecher Reto Kormann: «Den Kundinnen und Kunden, die nicht auf ein solches Video gebannt werden möchten, steht es frei, den betreffenden Wagen zu verlassen oder vom Ober- ins Unterdeck eines doppelstöckigen Wagens zu wechseln.»

Die Begleitung per Video sei Teil der Grundausbildung für Zugbegleiter, so Kormann weiter. Es gehe darum, ihnen aufzuzeigen, wie sie im Kundenkontakt auftreten und wirken – «im Normalfall sieht man sich bei diesem Vorgang ja nicht selber».

Dauer und Strecken, auf denen SBB-Ausbildner mit Videokameras im Einsatz sind, seien «variabel», so der SBB-Sprecher. Die Videos würden in Gruppengesprächen ausgewertet und «am gleichen Abend gelöscht beziehungsweise überspielt». Eine Absprache mit dem Datenschützer habe es nicht gegeben, räumt Kormann ein.

Bruno Baeriswyl, Datenschutzbeauftragter des Kantons Zürich, kritisiert das Vorgehen der SBB: «Sie dürfen die Passagiere nicht aufnehmen, wenn diese nicht einwilligen», so der Datenschützer. «Dass die Zugreisenden Statisten spielen müssen, ist nicht hinnehmbar.» Die Leute hätten sich schon dermassen an Videoüberwachung gewöhnt, dass sie das überall für zulässig erachteten, so Baeriswyl: «Man muss es sich nicht gefallen lassen, dass man im Zug gefilmt wird.»

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