Mittlerweile fängt Michael Haas, Juniorenobmann beim FC Sursee, schon im April an, Trainer für die nächste Saison zu suchen. Denn die letzten Jahre hat er nicht mehr für alle Junioren-Mannschaften einen Trainer gefunden. Über hundert Telefonate musste er machen, um zwanzig Trainer zu finden. «Doch in unserer Region mussten wieder viele Vereine Mannschaften zurückziehen, weil ihnen die Trainer fehlten», sagt Michael Haas.

Unter Trainermangel bei den Junioren leiden viele Fussballvereine. Jetzt schlägt Luca Balduzzi, Ressortchef Breitenfussball beim Schweizerischen Fussballverband (SFV), Alarm: «Pro Jahr fehlen uns für die Fussballjunioren bis zu 1000 Trainer.»

Das Problem spitzt sich zu, denn laut Balduzzi nimmt die Bereitschaft für ehrenamtliches Engagement eher ab, während immer mehr Kinder schon sehr früh Fussball spielen wollten.

Seit diesem Sommer wurden deshalb die G-Junioren für die 5- bis 6-Jährigen eingeführt. Schon in der ersten Saison gibt es 20 000 G-Junioren. Doch gerade für den Kinderfussball ist es am schwierigsten, Trainer zu finden. Deshalb ersetzen Mütter, Rentner oder ältere Geschwister die verzweifelt gesuchten Trainer. Froh ist man beim Fussballverband auch über das Engagement der Ausländer in den Vereinen: «Rund die Hälfte der Trainer bei den Junioren hat keinen Schweizer Pass oder Migrationshintergrund», sagt Balduzzi vom SFV.

Die internationalen Erfolge der Profivereine und Fussball-Grossereignisse lassen die Nachfrage in allen Altersklassen weiter steigen. «Fussball ist sehr populär und läuft anderen Vereinen den Rang ab», so Balduzzi. Als Beispiel: Der FC Wallisellen hat mehr Junioren als der gesamte Nachwuchs von verschiedenen anderen Sportvereinen in dieser Region zusammen.

In Volketswil ist laut einer Umfrage gar praktisch jeder zweite Bub in der Gemeinde im Fussballklub. Im Kanton Zürich müssen deshalb die Vereine häufig Kinder wegschicken, weil sie kein Platz haben. Weil die Kinder immer früher anfangen, brauche man noch mehr Trainer, heisst es beim Zürcher Fussballverband. Ähnlich tönt es in Bern und Basel: «Wir brauchen auf allen Stufen mehr Trainer – vor allem im Kinderfussball», sagt Willy Schmid vom Fussballverband Nordwestschweiz. «Wir haben in einigen Vereinen Wartelisten mit jeweils über zwanzig Kindern drauf», so Schmid. Bei den ganz Kleinen sind die Trainer zwar mehr Betreuer:

Sie müssen vor allem Schuhbändel binden und trösten, wenn es Tränen gibt. Denn nicht selten könnten die Kleinen noch gar nicht unterscheiden, auf welches Goal sie spielen und jubeln auch bei einem Eigentor.

Um dem Trainermangel entgegenzuwirken, gibt nun auch der Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld ein eindringliches Plädoyer für die Traineraufgabe ab: «Im Fussball lernen Kinder Dinge fürs Leben, die sie anderswo kaum so einfach und intensiv mitbekommen würden», sagt Hitzfeld.

«Mit anderen Worten, Trainer können Kindern Dinge für ihre Zukunft, für ihr Leben mitgeben», so der Nationaltrainer gegenüber dem «Sonntag». Ihn fasziniere die Aufgabe als Trainer im Fussball seit nunmehr rund 30 Jahren. Und gerade auf der Stufe des Juniorentrainers komme eine ganz besonders wertvolle Facette dieses Jobs zum Tragen, sagt Hitzfeld.

Nebst den Trainersorgen stellt die steigende Nachfrage die Vereine auch zunehmend vor Infrastrukturprobleme. Dazu kommt: Mädchen brauchen eigene Kabinen. «Und nach den Missbrauchsfällen brauchen wir auch vermehrt eigene Duschen oder Kabinen für die Trainer», sagt Balduzzi vom SFV.

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