Er war einst hoch angesehen und verkehrte in den höchsten Politkreisen. Doch mit seiner jahrelangen Schuldenwirtschaft hat sich der Berner Medienjurist Franz A. Zölch strafbar gemacht. Das zeigen die Recherchen der «Schweiz am Sonntag». Die Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland hat gegen Zölch zwei Verfahren durchgeführt. «Beide endeten mit einem Strafbefehl, und in beiden Fällen wurde eine Übertretungsbusse verhängt», bestätigt Christof Scheurer, Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern.

Eine Busse von 1000 Franken erhielt Zölch am 8. April 2011, weil er der AHV-Ausgleichskasse in den Jahren 2009 und 2010 nicht die verlangten Lohnbescheinigungen abgeliefert hatte. Die andere Busse von 800 Franken wurde ihm aufgebrummt, weil er mehrfach die Lohnkontrollen vereitelte, welche die AHV-Ausgleichskasse durchführen wollte.

Ein Blick in das aktuelle Betreibungsregister zeigt Haarsträubendes: Seit Anfang 2011 hat Zölch Schulden von mehr als 3 Millionen Franken angehäuft. Gegen ihn liegen 93 Betreibungen mit einem Gesamtbetrag von 1,17 Millionen Franken und 91 Verlustscheine für total 1,87 Millionen Franken vor. Der AHV und der Eidgenössischen und Kantonalen Steuerverwaltung schuldet Zölch mehr als 200 000 Franken.

Damit ist der Schuldenberg des einstigen Starjuristen weiter angewachsen. 2009 wurde bekannt, dass sich innerhalb von vier Jahren 91 Forderungen über 1,6 Millionen Franken angesammelt hatten. Im Jahr 2010 kamen 45 Betreibungen im Wert von total 688 427 Franken hinzu.

Unter den Gläubigern sind mehrere langjährige Mitarbeiter, die auf ihren Lohn warten. Deshalb interessierte sich die AHV-Ausgleichskasse für die Lohnabrechnungen. Riesige Summen schuldet Zölch auch ehemaligen Freunden und Geschäftspartnern, die er wiederholt um Geld angepumpt hatte. Dabei ging er wie ein Trickbetrüger vor: Er gab vor, er brauche ganz kurzfristig einige zehntausend Franken, um Millionen «auszulösen», die für ihn auf einer Bank einbezahlt worden seien. Laut der im Januar gegründeten Interessengemeinschaft Zölch-Geschädigter (IGZG) sucht er nach wie vor mit der gleichen Masche Geld. Am Donnerstagnachmittag konfrontierte die «Schweiz am Sonntag» Zölch mit den Vorwürfen. Er sei nicht imstand, Stellung zu nehmen, sagte er gestern.

Seine Gläubiger vertröstet er teilweise seit mehreren Jahren mit dem Versprechen, er werde die Schulden «morgen», «bald» oder «in diesem Jahr» bezahlen. Weil das nicht geschah, verfügte das Betreibungsamt Bern-Mittelland ab Ende November 2008 regelmässig Lohnpfändungen. Zölch lieferte zwar Beträge ab, aber nie in der Höhe der verfügten gepfändeten Verdienstquoten. Die meisten Gläubiger sahen keinen Rappen. Das Betreibungsamt hat deshalb Strafanzeige gegen ihn erhoben, wie es der IGZG am Freitag mitteilte.

Es handelte aber erst auf deren Druck. Denn die IGZG hat am Montag beim Obergericht des Kantons Bern eine Aufsichtsbeschwerde gegen das Betreibungsamt eingereicht. Darin verdächtigt sie das Amt, sich nicht pflichtgemäss um die Pfändungen gekümmert zu haben. Damit habe es Zölch womöglich begünstigt. Am Freitag bestätigte das Obergericht, dass es die Eingabe als Disziplinaranzeige behandelt und ein Verfahren einleitet, wenn «genügend objektive Anhaltspunkte für eine Dienstpflichtverletzung vorliegen». Zuvor hatte die Berner Justiz mehrere Strafanzeigen von Gläubigern nicht weiterverfolgt oder die eingeleiteten Verfahren eingestellt, mit der Begründung, Zölch habe nicht arglistig getäuscht und sei somit kein Betrüger.

Zölchs Fall folgte auf einen steilen Aufstieg. Zusammen mit der ehemaligen Regierungsrätin Elisabeth Zölch bildete er bis zur Scheidung im Jahr 2005 das Berner Traumpaar schlechthin. Er galt als brillanter Jurist, bestens vernetzter Firmenberater, dozierte an verschiedenen Hochschulen, war Brigadier im Militär und wurde als Präsident des Schweizerischen Eishockeyverbands (1995 bis 2006) landesweit bekannt.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!