Von Dominic Kobelt

Der Umsatz der Verhütungspille Yasmin von Bayer ist um rund 50 Prozent eingebrochen. Das zeigen Informationen, die der «Schweiz am Sonntag» vorliegen. Der Grund ist naheliegend: der Fall Céline. Das Mädchen hat eine Lungenembolie erlitten. Ihre Mutter macht dafür die Yasmin-Pille verantwortlich. Antibaby-pillen erhöhen das Risiko für Thrombosen nachweislich.

Den Verkaufsrückgang auf rund die Hälfte bestätigt auch Lisa Lüthi von der Apotheke Zur Rose, einer der grössten Versandapotheken der Schweiz: «Vergleicht man die Zahlen mit Anfang Jahr, können wir den Rückgang in diesem Umfang bestätigen.» Die Firma Bayer teilt mit, sie veröffentliche keine Umsatzzahlen auf Länderebene. Thomas Cueni, Generalsekretär des Branchenverbands Interpharma, sagt, die Zahlen «könnten etwa stimmen», weist aber auf den generellen Rückgang hin, der seit einigen Jahren stattfindet.

Tatsächlich nehmen die jährlichen Pillen-Verkäufe schweizweit ab. 2012 wurden 130 000 Packungen weniger verkauft als 2008 (minus 7 Prozent). Dies zeigt eine Statistik des Marktforschungsinstituts IMS Health. Im laufenden Jahr zeichnet sich ein weiterer Rückgang ab.

Den Zahlen von IMS Health lässt sich ein weiterer Trend entnehmen: Die Pillen der zweiten Generation sind seit 2011 wieder auf dem Vormarsch. Sie machten 2013 rund 20 Prozent aller verkauften Antibabypillen aus. Die Pillen der zweiten Generation hätten zwar ein niedrigeres Thromboserisiko, dafür andere Nebenwirkungen. So könnten diese Pillen schneller zu ungewollten Schwangerschaften führen, wenn die Patientin die Einnahme einmal vergesse, erklärt Cueni. Er kann die grosse mediale Aufmerksamkeit nur teilweise nachvollziehen: «Mir ist klar, dass dieser Fall betroffen macht. Wenn man diese junge Frau und ihr Schicksal sieht, ist man bewegt.» Trotz des tragischen Falls dürfe man nicht ausser Acht lassen, dass es sich um eine sehr seltene Nebenwirkung handle. «Ich finde es problematisch, dass man den Leuten jetzt so viel Angst macht und gar ein Verbot fordert.» Die Nutzen- und Risikobeurteilung sei nicht Sache der Politik, betont Cueni. «Diese muss von Experten vorgenommen werden.» Bei einer ungewollten Schwangerschaft steige das Thromboserisiko weit mehr als durch die Einnahme der Antibabypille.

Die öffentliche Empörung über den Fall Céline und den Konzern Bayer dürfte indes weiter steigen. Bayer hat gegen die Spitäler Schaffhausen eine Haftungsklage eingereicht. Zur Begründung wollten weder Bayer noch die Spitäler Stellung nehmen.

Auch der Auftritt der Bayer-Chefin Barbara Heise in der «Rundschau» hat kaum zur Beruhigung beigetragen. Da Bayer erstinstanzlich gewonnen hat, dürfte der Konzern die Prozesskosten auf die Kläger abwälzen. Auf die Frage, ob Céline und ihre Mutter die Entschädigung von 120 000 Franken tatsächlich übernehmen müssten, verwies Heise darauf, dass der Fall weitergezogen wurde und dies erst nach einem rechtskräftigen Urteil entschieden werde. Heise sagte zudem, sie könne nicht verstehen, «weshalb die Diskussion so intensiv geführt wird».

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