VON ANGELA BRUNNER

Der Babyboom macht sich auch bei Angehörigen der Universität Zürich und der ETH bemerkbar. «Momentan stehen rund 300 Eltern auf der Warteliste», sagt Ria-Elisa Schrottmann von der Stiftung Kinderbetreuung im Hochschulraum Zürich, die 170 Krippenplätze anbietet. Bereits sind drei neue Standorte mit insgesamt rund 70 Plätzen geplant: Nächstes Jahr soll eine Krippe beim Campus der Pädagogischen Hochschule den Betrieb aufnehmen. Zudem soll eine weitere Krippe auf dem Hönggerberg sowie im Zentrum entstehen.

Laut Schrottmann dauert es rund zwei Jahre, um eine Krippe zu realisieren. Am grössten ist die Nachfrage nach Säuglingsplätzen für Kinder bis 18 Monate. «Diesen Bedarf werden wir auch nach dem Ausbau vorerst nicht decken können», sagt Schrottmann. Dies liegt ihrer Meinung nach auch daran, dass Einzelkinder seltener geworden sind. Mit eigenen Krippen buhlen die Hochschulen unter anderem um Forscher aus den USA, die sich von zu Hause oft eine bessere Infrastruktur gewohnt sind und vor Ort kaum auf ein Beziehungsnetz zurückgreifen können.

Die Universität Basel setzt ebenfalls auf Kinderbetreuung und prüft derzeit gemeinsam mit Basel-Stadt, ob sie ihre Krippenplätze merklich erweitern könnte. Bereits heute steht den Studierenden und Angestellten zudem das Sanitätszimmer im Kollegienhaus als Stillzimmer zur Verfügung. «Wir wollen Frauen eine akademische Karriere ermöglichen», erklärt Gaudenz Henzi von der Uni Basel. Ähnlich klingt es bei der Universität Freiburg. Ab kommendem Semester kann man zwei Sanitätsräume zum Stillen nutzen.

Die Hochschule reagiert damit auf den Umstand, dass Frauen unter den Studierenden die Mehrheit bilden. «Wir möchten verhindern, dass hoch qualifizierte Frauen der Forschung den Rücken zudrehen, weil sie das Gefühl haben, dies sei mit ihrem Kinderwunsch nicht vereinbar», sagt Helene Füger von der Gleichstellung von Mann und Frau. Zudem sei auch ein Studienabbruch einer Mutter mit volkswirtschaftlichen Kosten verbunden.

Mit der Bolognareform ist ihrer Meinung nach die Vereinbarkeit von Studium und Beruf mit der Familie noch wichtiger geworden. Dies hat auch die Universität Luzern erkannt. In ihrem Neubau ist ein Wickelraum eingeplant. Mit dem Ausbau der hochschulübergreifenden Krippe warte man hingegen wegen Budgetproblemen zu. Diese wurde erst letztes Jahr um vier Plätze auf 40 Plätze aufgestockt. Damit ist sie laut Krippenleiterin Anita Niederberger bereits eine der grössten Krippen in Luzern.

Die Fachhochschule Nordwestschweiz befasst sich ebenfalls mit der Kinderbetreuung, da sie sich künftig auf weniger Standorte konzentrieren will. «Wir hatten wiederholt Anfragen für Krippenplätze», sagt Eva Henn. Laut dem Bundesamt für Statistik weisen Fachhochschulen mehr Studierende mit Kindern auf, da diese berufsbegleitend studieren können. Und die Universität Bern plant laut Claudia Willen von der Gleichstellungsstelle bereits eine neue hochschulübergreifende Kindertagesstätte mit 30 Plätzen, die ab August 2012 den Betrieb aufnehmen soll.

«Zudem prüfen wir, ein Arbeitszimmer für Eltern mit Kindern einzurichten, das auch über Stillmöglichkeiten verfügt», sagt Willen. Derzeit kläre man ab, welche Erfahrungen deutsche Hochschulen mit diesem Modell gemacht haben. Im Nachbarland ist man bereits einen Schritt weiter: Deutsche Hochschulen können sich als familiengerecht zertifizieren lassen.

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