Rita Ziegler, Direktorin des Universitätsspitals Zürich (USZ), steht in einem Interessenkonflikt. Das USZ ist einer der grössten Kunden für Hygieneprodukte der Schweiz. Ab September wird das Spital vollständig autonom entscheiden, von welchem Lieferanten derartige Produkte bezogen werden. Ab dann geht der Einkauf beinahe aller Warengruppen ausser Arzneimittel von der vom USZ unabhängigen Kantonsapotheke an die Einkaufsabteilung des USZ über.

Bereits heute werden allerdings Produkte wie Handseifen oder Händedesinfektionsmittel direkt vom Bereich Einkauf des Universitätsspitals bestellt. Voraussetzung dafür ist, dass die Produkte nicht unter das Heilmittelgesetz fallen. Der Konkurrenzkampf ist hart, mehrere Firmen buhlen um die Aufträge. Sechs Lieferanten von Hygieneprodukten zählt das USZ zurzeit. Unter ihnen ist auch die Firma IVF Hartmann AG. Diese übernahm 2009 den hierzulande besser bekannten Hersteller Bode. 350 Mitarbeiter zählt die deutsche Firma in der Schweiz.

Im Verwaltungsrat der Firma sitzt derweil auch eine hochrangige Mitarbeiterin des Unispitals: Die Spitaldirektorin Rita Ziegler ist dort für die Oberleitung der Gesellschaft mitverantwortlich. 43 000 Franken kassierte Ziegler gemäss Geschäftsbericht letztes Jahr für die Teilnahme an den Verwaltungsratssitzungen.

Von Interessenkonflikten will das Unispital nichts wissen: «Die Spitaldirektion macht der Abteilung Einkauf keine Vorgaben bezüglich der Auswahl der Lieferanten», sagt Gregor Lüthy, Sprecher des USZ. «Das Verwaltungsratsmandat von Rita Ziegler bei der IVF Hartmann AG wurde vom Spitalrat des USZ genehmigt.»

Im Zuge der Übernahme des Einkaufs weiterer Produkte von der Kantonsapotheke sei zudem kein Ausbau der Zusammenarbeit geplant. Das USZ werde keine Lieferverträge der Kantonsapotheke mit Hartmann übernehmen, sagt Lüthy. Ausschliessen, dass in ein oder zwei Jahren doch Hartmann zum Zug kommt, will das USZ nicht. «Über die Zukunft können wir heute keine Prognose abgeben», lässt Spitaldirektorin und Verwaltungsrätin Ziegler über den Sprecher ausrichten.

Eine ähnliche Verstrickung wie jene Zieglers gibt es auch am Kantonsspital in Luzern. Dort ist die Chefärztin Verena Briner Anfang des Jahres in die Kritik geraten, weil sie im Verwaltungsrat von Novartis sitzt. Briner spendet ihr Honorar von 350 000 Franken nun dem Kantonsspital und ermöglicht damit ein Jahrespensum eines zusätzlichen Facharztes. Kein Thema in Zürich: «Auf die Frage nach dem Verwendungszweck des VR-Honorars möchte ich einfach nochmals darauf hinweisen, dass der Spitalrat diese Nebentätigkeit bewilligt hat», sagt Spital-Sprecher Lüthy.

Nebenbeschäftigungen sind im Personalreglement des Universitätsspitals geregelt. Sie sind zulässig, wenn sie «mit der Stellung des Angestellten am Universitätsspital vereinbar sind» und «die Aufgabenerfüllung und Interessen des Universitätsspitals nicht beeinträchtigen».

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