Studenten können aufatmen. Die Schweizer Universitäten retten das Austauschprogramm Erasmus notfalls in Eigenregie. Zwar hoffen sie weiter, dass der Bund die nötigen Gelder für eine Übergangslösung bereitstellt. Doch allein auf das Wohlwollen des Bundesrats werden sich die Unis nach dem Erasmus-Aus nicht verlassen.

Die ETH Zürich ist bereit, den Austausch ihrer Studenten mit knapp einer Million Franken selber zu finanzieren, erklärt ETH-Präsident Ralph Eichler auf Anfrage. Auch die Universität Basel stellt eine halbe Million Franken bereit, notfalls mehr. Die Uni Zürich hatte ihren Studenten bereits Mitte Woche eine Million Franken für das Austauschprogramm versprochen.

Weitere Universitäten wollen nachziehen. «Wir werden alles daransetzen, unseren Studenten ein Auslandsemester zu ermöglichen», sagt Antonio Loprieno, Präsident der Schweizer Rektorenkonferenz (CRUS). Darin seien sich alle Hochschulen einig. Der dafür nötige Notgroschen soll schweizweit in den Universitätsbudgets verankert werden.

Wegen des JAs zur Zuwanderungsinitiative beschloss die EU-Kommission Anfang Woche, die Schweiz aus dem Austauschprogramm Erasmus auszuschliessen. Die europäischen Universitäten bezahlen ihren Studenten folglich kein Stipendium mehr, wenn sie an einer Schweizer Universität studieren wollen.

Damit das Austauschprogramm nicht zusammenbricht, müsste die Schweiz die Stipendien für einheimische wie für ausländische Studenten bezahlen. Bildungsminister Johann Schneider-Ammann hat gegenüber Universitätsvertretern bereits signalisiert, dass der Bund die Kosten notfalls übernimmt. Doch noch steht ein offizielles Bekenntnis aus.

Vor allem der Zeitdruck hat die Universitäten nun dazu veranlasst, selbst für den Austausch zu bürgen. Die Anmeldefristen laufen ab, und die Partneruniversitäten brauchen finanzielle Sicherheit. «Viele würden schnell neue Verträge mit der Schweiz unterzeichnen», sagt Yasmine Inauen, Leiterin der Abteilung internationale Beziehungen an der Universität Zürich. «Das Interesse an einem Austausch ist weiterhin gross.» Besonders die nordeuropäischen Hochschulen seien sehr an einer weiteren Zusammenarbeit interessiert. Länger dürften sich die Verhandlungen in der Regel in Spanien, Italien und Portugal hinziehen. «In Südeuropa warten die Universitäten ab», sagt Inauen.

Alle Studierenden werden trotzdem nicht wie geplant ins Ausland können, weil nicht alle Hochschulen bereit sein werden, Schweizer Austauschstudenten aufzunehmen. Wie es weitergehen soll, wird morgen in Bern neu verhandelt. Dann treffen sich Vertreter der Hoch- und Fachhochschulen mit dem Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI), um weitere Übergangslösungen zu diskutieren.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper