Der Bundesrat will sie, Deutschland hat sie: die Frauenquote für grosse Unternehmen. Doch die Debatte geht längst über die Teppichetagen der Wirtschaft hinaus. Auch die Schweizer Universitäten wollen mehr Frauen an ihrer Spitze. Ziel ist ein Frauenanteil von 25 Prozent bei den Professuren und 40 Prozent bei den Assistenzprofessuren. Dafür haben die Hochschulen vor einem Jahr strukturelle Massnahmen ergriffen – mit ersten Erfolgen.

Noch nie war der Anteil Professorinnen so hoch wie im vergangenen Semester. Dies zeigen neue Zahlen der Schweizer Rektorenkonferenz (Crus). Trotz Rekord bleibt das Niveau aber eher tief. Mit 19 Prozent ist nur jeder fünfte Lehrstuhl von einer Frau besetzt (Vorjahr 18 Prozent). Immerhin: Vor zehn Jahren war es nur jeder zehnte.

Dabei tun sich zwischen den Universitäten grosse Unterschiede auf. Mit 26 Prozent stellt die Uni Luzern schweizweit die meisten Professorinnen, gefolgt von Genf (21%) und Neuenburg (20%). Schlusslicht ist die Universität St. Gallen (HSG) mit knapp 12 Prozent. Das liegt an den Wirtschaftswissenschaften, die traditionell eher bei Männern beliebt sind. Was sich auch bei den Eintritten widerspiegelt. Ein Phänomen, das die ETH Zürich und die ETH Lausanne bei den Naturwissenschaften kennen. In der Regel gibt es deutlich weniger Kandidatinnen als Kandidaten für eine Professur. Bei den Geistes- und Sozialwissenschaften hingegen ist der Frauenanteil höher.

Auf die vom Bundesrat empfohlene Frauenquote (30 Prozent) für Unternehmen kommen die Hochschulen nicht. Beim wissenschaftlichen Nachwuchs sieht das allerdings anders aus. Nie wurden mehr Frauen berufen als in den vergangenen zwei Semestern. Die Assistenzprofessuren der kleinen Universität Neuenburg werden zu 71 Prozent von Frauen besetzt. Auch Bern tut sich beim weiblichen Nachwuchs hervor (43%). Damit steigt die Quote der Assistenzprofessuren auf insgesamt 33 Prozent.

Die Uni-Rektoren hoffen, dass dank der frühen Förderung in einigen Jahren auch die Professoren-Posten von mehr Frauen besetzt werden. Ziel ist es, die 25-Prozent-Quote bis Ende 2016 zu erreichen. Allerdings bremst Crus-Präsident Antonio Loprieno die Erwartungen. «Die Zahlen sind eher unrealistisch», sagt er, «aber wichtig, um eine Veränderung zu erreichen.»

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