Die Delegationsliste liest sich wie ein «Who is who« des Verteidigungsministeriums (VBS). An der Spitze steht Ueli Maurer selbst, der Bundesrat. Es folgen: André Blattmann, Chef der Armee, Ulrich Appenzeller, Rüstungschef, Markus Seiler, Chef des Nachrichtendienstes des Bundes (NDB), Matthias Remund, Direktor des Bundesamts für Sport, und Brigitte Rindlisbacher, Generalsekretärin.

Das Ziel der hochkarätigen VBS-Delegation: die Provinz Dalarna in Mittelschweden. Dort findet Ende Februar der 92. Wasalauf statt. 67 000 Läufer haben sich angemeldet, ein Rekord. Darunter die fünf Topkader des VBS. Sie bestreiten am 28. Februar den Staffellauf. Am Tag darauf absolvieren dann Maurer und Remund auch noch den Einzellauf.

«Ziel ist es, zusammen ein Projekt anzupacken mit einem gemeinsamen Ziel, das den Teamgeist fördert und die Leistungsfähigkeit verbessert», sagt Matthias Remund, Direktor des Bundesamts für Sport. Maurer habe den Wunsch, den Wasalauf 2014 mit der Departementsleitung zu absolvieren, «auf der Heimreise vom letztjährigen Wasalauf» geäussert.

Seit Freitag hat diese Schweden-Reise eine neue Bedeutung erhalten. Maurer gab bekannt, es sei für ihn «zu 90 Prozent» sicher, dass er sich 2015 nochmals als Bundesrat zur Wahl stellen werde. Schweden wird damit zum Ort, an dem Ueli Maurer seine Topkader auf die nächsten sechs Jahre einschwört.

Insider bestätigen, dass die Ankündigung einen parteipolitischen wie einen inhaltlichen Grund hat. Zwar wäre ein Rücktritt 2015 durchaus folgerichtig. Maurer erreicht am 1. Dezember, just vor den Bundesratswahlen, das ordentliche Pensionsalter von 65 Jahren. Doch er weiss, dass er seine SVP mit einem Rücktritt in eine sehr schwierige Situation manövrieren würde. Sie will 2015 ihren zweiten Bundesratssitz zurückerobern. Müsste sie dazu noch Maurer ersetzen, würde das alles massiv verkomplizieren. Kommt dazu, dass Maurer die stehenden Ovationen der SVP-Delgierten in Reiden tief berührt haben. Er vertrat zwar zur Masseneinwanderungs-Initiative die Haltung der Regierung, kündete aber einen «Eklat» an – und zündete zum Gaudi der Delegierten eine Tischbombe.

Es gibt für Maurer auch einen inhaltlichen Grund weiterzumachen. Mit grossem Aufwand hat er in der Armee einen Paradigmawechsel herbeigeführt: weg von Beschönigungen, hin zu neuem Realismus. Ein Prozess, mit dem er auf passiven Widerstand stiess, wie verschiedene Insider bestätigen. Spätestens bei der Generalität in der zweiten Reihe liefen die Reformen ins Leere. Das bewog Maurer dazu, bei der Luftwaffe ein Exempel zu statuieren. Statt wie erwartet den Chef Einsatz, Bernhard Müller, zum Kommandanten zu befördern, inthronisierte er Aldo C. Schellenberg, einen Betriebswirtschafter. Dieser erhielt den Auftrag, das Eigenleben der Luftwaffe umzukrempeln. Diesen Paradigmawechsel sieht Maurer mit einem Rücktritt 2015 gefährdet. Gleichzeitig will er auch die diversen Reformen im sicherheitspolitischen Bereich zu Ende führen.

Zwischen 9 und 24 Kilometer werden die fünf Topkader am Wasalauf absolvieren. «Die Zeitlimite beträgt zehn Stunden. Wir wollen in dieser Zeit ins Ziel kommen», sagt Remund. «Das ist eine Herausforderung, vor der alle Respekt haben.» Der Schweden-Trip gilt als Ferienreise. Remund: «Für sie beziehen wir alle Ferientage und wir bezahlen sie privat.» Remund sieht auch kein Sicherheitsrisiko darin, dass alle VBS-Topshots gleichzeitig ins schwedische Sälen reisen. «In der Schweiz sind wir uns gewohnt, uns in einem freiheitlichen Staat frei bewegen zu können», sagt er. «Das führen wir auch in Schweden so weiter.»

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