Es ist Hochsaison auf den Schweizer Alpen. Die Arbeit der Älplerinnen und Älpler beginnt vor Sonnenaufgang und endet meist spät am Abend. Zeit, um die Bergwelt zu geniessen, ist rar. Trotzdem gehen bis zu 17 000 Menschen jährlich z Alp. Mehr als die Hälfte kommt aus der Landwirtschaft. Die anderen sind Teilzeit-Aussteiger und Abenteurer aus dem In- und Ausland auf der Suche nach der Heidi-Idylle. Da sie häufig wenig Erfahrung und falsche Vorstellungen vom Alpleben haben, kommt es nicht selten vor, dass sie die Alp bereits nach wenigen Tagen wieder verlassen.

Dann klingelt das Alpofon. Eine Hotline der IG Alp, an die sich ein Bauer oder ein Alpmeister zwischen Juni und September wenden kann, wenn er Personal benötigt. Ebenfalls hilft das Alpofon bei Lohn-, Versicherungs- und Fachfragen weiter. 50 Betriebe haben allein im Juni nach einer neuen Älplerin oder einem neuen Älpler gefragt. «Einige meldeten sich wegen eines Unfalls, doch bei der Mehrheit der Fälle war der Durchhaltewille oder die Überforderung der Grund», sagt Barbara Sulzer. Sie gehört zur IG Alp.

Viele würden sich das Alpleben zu romantisch ausmalen. «Es ist aber ein siebentägiger Knochenjob mit bescheidenem Lohn», sagt Sulzer. Hinzu komme die soziale Anforderung: arbeiten, essen, schlafen – jeden Tag mit den gleichen Leuten zusammen, oft im selben Raum. Das erfordere Toleranz.

Zurzeit suchen auf der Plattform zalp.ch 41 Alpbetriebe Personal. Vom Hirten über den Melker bis zum Senn. Gleichzeitig stellen sich Frauen und Männer zwischen 21 und 70 Jahren für einen Alpeinsatz zur Verfügung, doch mangelt es ihnen häufig am nötigen Alp-Know-how. «Gerade bei den Städtern liegt es im Trend, ein oder zwei Sommer z Alp zu gehen», sagt Sulzer. Entsprechend hoch sei aber der Wechsel des Personals, und es gehe viel Wissen verloren.

Es fehlt an erfahrenem Alppersonal. Vergangene Saison suchten insgesamt 80 Betriebe beim Alpofon deswegen Hilfe. In mehr als 60 Prozent der Fälle konnte das Hotline-Team personellen Ersatz weitervermitteln. Fast die Hälfte der hurtig aufgebotenen Älpler kamen aus dem Ausland, vor allem aus Deutschland. Doch weil es häufig länger dauert, bis ein Ersatz aus dem Ausland einspringen kann, ist die IG Alp auf hiesige Älpler angewiesen. Wichtigste Voraussetzung für einen Einsatz: Bewerber sollten sich ein- und unterordnen können, selbstständiges Arbeiten und den Umgang mit Tieren gewohnt sein.

Etwas Entlastung könnten Zivildienstleistende, kurz Zivis, bringen. Seit diesem Sommer können Älpler sie zur Pflege der Alp aufbieten. 50 Zivis sind bereits im Einsatz. Zivi-Sprecher Oliver Rüegsegger ist überzeugt: «Der Zivildienst kann bieten, was Älpler brauchen: motivierte junge Männer, die ihnen helfen, die Alp in Ordnung zu halten.» Allerdings dürfen die Zivis nicht bei der Produktion, beispielsweise dem Melken, helfen. Sie sind primär für die Pflege des Waldes oder Entfernung von Problempflanzen zuständig.

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