VON LUKAS FÜGLISTER

Allen Unkenrufen zum Trotz – die S-Bahnen in den grossen Agglomerationen der Schweiz sind immer pünktlicher unterwegs. Das zeigen die Erhebungen des ersten Halbjahrs 2009, die dem «Sonntag» vorliegen:

Bei der S-Bahn Luzern kommen 89,6 Prozent der Züge mit weniger als zwei Minuten Verspätung an. Das sind drei Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Weniger als fünf Minuten zu spät sind gar 98,5 Prozent der Züge – das entspricht einer Verbesserung um einen halben Prozentpunkt.

Bei der von der BLS betriebenen S-Bahn Bern haben 94 Prozent der Züge weniger als 3 Minuten Rückstand auf den Fahrplan. Gegenüber dem Vorjahr hat sich dieser Wert um einen Prozentpunkt verbessert. In den Hauptverkehrszeiten stieg der Wert von 91 auf 92 Prozent.

Auch die S-Bahn St. Gallen ist pünktlicher als im Vorjahr: 94,2 Prozent der von der Regionalbahn Thurbo betriebenen Züge hatten im ersten Halbjahr weniger als 2 Minuten Verspätung. In der Vorjahresperiode waren es 93,2 Prozent. Die Thurbo betreibt 6 von 12 Linien. In der Hauptverkehrszeit erhöhte sich die Anzahl der pünktlichen Züge um einen halben Prozentpunkt.

Bei der Regio-S-Bahn Basel hatten 97 Prozent der Züge weniger als 5 Minuten Verspätung – das entspricht exakt dem Vorjahreswert.

Die S-Bahn Zürich war im ersten Halbjahr leicht weniger pünktlich als im Vorjahr. Die SBB erreichte 69 Punkte – das ist ein Punkt weniger, als im Vorjahr. Sind mindestens 95 Prozent der Züge einer S-Bahn-Linie weniger als 6 Minuten zu spät, erhält die SBB einen Punkt. Gemessen wird zur Hauptverkehrszeit und in Hauptlastrichtung. Trotzdem sagt SBB--Sprecher Daniele Pallecchi: «In den Monaten Juli bis September haben wir das Vorjahr übertroffen. Insgesamt war die S-Bahn Zürich noch nie pünktlicher unterwegs als dieses Jahr.»

Für Hans Martin Schaer von der BLS ist die erhöhte Pünktlichkeit der Berner S-Bahn das Resultat grosser Bemühungen: «Wenn wir systematische Verspätungen feststellen, setzen wir sofort eine Arbeitsgruppe ein, die versucht die Gründe zu evaluieren und beseitigen.»

Auch Daniele Pallecchi von den SBB betont, dass die Pünktlichkeit nur dank grösster Anstrengungen erhöht werden konnte: «Bei der S-Bahn Zürich wurden dazu in den letzten Jahren Hunderte von Massnahmen umgesetzt.» So wurden etwa neue Züge angeschafft oder die Wartung des Rollmaterials perfektioniert. Das zahlt sich für die SBB aus: Fahren sie pünktlicher als vom Auftraggeber Zürcher Verkehrsverbund gefordert, erhalten sie einen Bonus. Fährt die S-Bahn unpünktlich, wird ein Malus fällig.

Ein eigens für die S-Bahn Zürich zuständiger «Mister Pünktlichkeit» sorgt dafür, dass die S-Bahn auch künftig fahrplangenau fährt. Pallecchi warnt aber vor übertriebenen Erwartungen: «Die S-Bahn in Zürich transportiert zurzeit 2,5-mal so viel Passagiere wie bei der Eröffnung 1989. Die Bahntrassen sind an der Kapazitätsgrenze. Eine echte Entlastung bringt erst die Eröffnung der neuen Durchmesserlinie 2013/2015.»