Es wäre ein grosser Wurf: Die vereinten Schweizer Logistiker verlagern ihren Güterverkehr auf den Hauptverkehrsachsen unter die Erde. Ein vollautomatisches System verschiebt normierte Paletten auf selbstfahrenden Vehikeln 50 Meter unter der Erde quer durch die Schweiz. Bereits 2020, so die Vision, könnte die erste Strecke entlang den Logistikzentren zwischen Härkingen SO und Zürich betrieben werden.

Jetzt hat sich ein Trägerverein formiert: Präsident und Delegierter des Vereins «Cargo sous terrain mit Sitz in Basel ist Peter Sutterlüti, der das Projekt managt. Vereinsmitglieder sind die Bigplayer im Detailhandel wie Migros, Coop, Manor oder Valora, aber auch eine Anzahl Spediteure wie Panalpina oder DPD.

Die «Schweiz am Sonntag» berichtete 2011 erstmals von den zwei futuristischen Projekten, unterirdisch Güter zu verfrachten. Im Frühjahr dieses Jahres vermeldete dann eines davon, die Firma Cargo Tube AG, die «technischen, ökologischen, geologischen und ökonomischen Voraussetzungen» seien gegeben, «um das Projekt zum Erfolg zu führen». Seither herrscht Schweigen.

Projektmanager Peter Sutterlüti erklärt, weshalb es zu einem halbjährigen Unterbruch gekommen ist: Es musste zuerst eine breiter abgestützte Projektorganisation aufgebaut und eine juristische Basis für die Sicherstellung der Finanzierung geschaffen werden. Seit einigen Wochen würden die Arbeiten jedoch wieder planmässig voranschreiten.

Das Grossprojekt verspricht Milliardenaufträge für den Bau der Infrastruktur, sodass auch der Baukonzern Implenia, die Swisscom oder der Energiekonzern BKW an Bord sind. Zusammen haben die Firmen à fonds perdu 3 Millionen Franken zusammengetragen, um bis Ende kommenden Jahres eine komplette Machbarkeitsstudie für das Gütertransportsystem vorlegen zu können. Auch der Bund ist über das Bundesamt für Verkehr involviert.

Die Risiken sind beträchtlich. Je nach Bauuntergrund werden die Kosten erheblich variieren. Terminverschiebungen etwa aufgrund von Baueinsprachen können die ganze Wirtschaftlichkeitsberechnung über den Haufen werfen. Heute ist etwa nicht in allen Kantonen rechtlich geregelt, wer auf den Untergrund welche Eigentumsrechte besitzt.

Vieles, was im Frühjahr noch als halbwegs gesicherte Fakten vorgestellt wurde, wird einer genaueren Prüfung deshalb nicht standhalten. Es habe sich eben nur um eine «Vorstudie» gehandelt, sagt Sutterlüti. War da noch die Rede von einem Betriebsstart im Jahr 2020, ist heute ein solcher selbst für das Jahr 2025 optimistisch. Waren in der Studie noch Kosten für die erste, 50 Kilometer lange Strecke entlang der A1 von 1,4 bis 2 Milliarden Franken prognostiziert, so beträgt der Kostenrahmen mittlerweile zwischen 2,5 und 3 Milliarden Franken.

Die öffentliche Hand, so die Idee der Promotoren, soll sich an dem Grossprojekt finanziell nicht beteiligen. Da Wirtschaftlichkeit angestrebt ist, müsste auch eine privatwirtschaftliche Finanzierung möglich sein. Nicht ausgeschlossen ist jedoch, dass im Verlauf der Projektentwicklung auch von dieser Prämisse Abstand genommen werden muss.

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