Es ist ein herber Schlag. In der Zwischensaison schliesst das Goldene Ei, wie das Luxushotel Intercontinental in Davos GR auch genannt wird. Die Ganzjahresstrategie rentiert entgegen der ursprünglichen Planung nicht. Ein Einzelfall, oder ein Zeichen für die ganze Branche?

Schweiz-Tourismus-Direktor Jürg Schmid beschwichtigt. «Es ist üblich, dass Hotels in den Alpenregionen im Frühling schliessen», sagt er. Wichtig sei jedoch, dass die Hotels für die Sommersaison wieder öffnen. «Die Bergorte brauchen zwei Saisons: einen starken Winter und einen soliden Sommer.» Noch gebe es nicht viele Anzeichen, dass wegen des starken Frankens in Sportorten Unterkünfte nur noch im Winter offen seien.

Das sieht auch der Chef des Verbands Hotellerie Suisse so. «Wir gehen davon aus, dass die meisten Hoteliers die Sommersaison wagen und sich danach entscheiden, wie ihr Betriebsmodell mittelfristig aussieht», sagt Christoph Juen.

Fest steht: Es kommt eine schwierige Zeit auf den Tourismus zu. Wechselkursveränderungen wirken sich meist drei bis sechs Monate später aus. Besonders betroffen sind mittelgrosse Orte, wo viele Gäste aus Deutschland oder den Niederlanden hinreisen. Aus diesen Ländern kommen oft Wintersportler aus der Mittelklasse – und diese sind preissensitiv.

Eine Umfrage der «Schweiz am Sonntag» bei Seilbahnen und Winterorten zeigt: Bis jetzt verläuft die Wintersaison gut. So ist in Davos die Zahl der Übernachtungen zwischen November und Februar im Vergleich zum Vorjahr um 5 Prozent gestiegen. Einen Zuwachs können auch Klosters GR (+2,5 Prozent) und Wengen BE (+5,6) verbuchen.

«Wir hatten vor allem einen sehr guten Dezember und Februar und liegen bis jetzt im Plus», sagt Ariane Ehrat von Engadin St. Moritz Tourismus. Erst nach Ostern sei aber ein definitives Fazit möglich. Bis im Februar gingen mehrheitlich Familien in die Schweizer Berge Skifahren. Oft hatten sie weit im Voraus gebucht. Anders die Frühlingsskifahrer. Häufig sind es Paare, die sich spontan für oder gegen die Berge entscheiden. Auch wägen sie eher den Preis und das Wetter ab.

Wegen des starken Frankens fehlen jetzt genau diese Gäste. Besonders jene aus den Euromärkten. Das stellt auch Rudolf Büchi, Direktor der Seilbahnen in Disentis GR, fest: «Trotz sehr guter Schneeverhältnisse fehlen die Sportler aus Belgien und den Niederlanden. Sie machen sonst zu dieser Zeit 20 Prozent der Wintersportler aus.» Bis vor zwei Wochen lagen die Zahlen des Skigebiets noch 5 Prozent im Plus. «Wie wir abschliessen, ist ungewiss. Es kommt auf die Ostertage an», sagt Büchi. Urs Gantenbein von den Bergbahnen Wildhaus SG ist zuversichtlich: «Wir haben nach wie vor eine gute Schneelage, und Ostern ist dieses Jahr eher früh.»

Einen Rekord verzeichnet diesen Winter Österreich – auch wegen der Schweizer Gäste. In die Region Vorarlberg reisten fast 2 Prozent mehr hiesige Skifahrer als im Vorjahr. Und ins Tirol gar 9,3 Prozent mehr. Aber nicht erst seit diesem Jahr gehen die Schweizer ins Nachbarland skifahren. Während vor zehn Jahren noch 88 000 Schweizer in die Region Vorarlberg reisten, sind es heute mehr als 150 000. «Wir können uns glücklich schätzen», sagen die Touristenbüros vor Ort.

Die Österreicher sind freundlicher, und es ist günstiger, so der Tenor vieler Schweizer Ski-Touristen. «Wir sind uns bewusst, dass wir nicht über den Preis mit Österreich konkurrieren können», sagt Melanie Keller von der Weissen Arena, der die Bündner Dörfer Flims, Laax und Falera angehören. Trotzdem sind auch bei den Bergbahnen Arosa und Lenzerheide Preisreduktionen kein Thema. «Wir haben attraktive Mehrtages-Angebote geschnürt», sagt der Direktor Philipp Holenstein. Trotzdem stellt er sich auf eine Stagnation bei den Gästeeintritten ein. «Wegen des starken Frankens wird es ab Sommer noch herausfordernder werden. Da gibt es nichts zu beschönigen.»

Markus Hasler von den Zermatter Bergbahnen ist überzeugt, dass Gäste aus Asien wie auch aus in Dollar rechnenden Regionen eine immer grössere Bedeutung erlangen. «In einem gehobenen Gästesegment werden aber auch Wintersportler aus Europa eine Bedeutung behalten», sagt er. Bis Ende Februar konnte Zermatt bei den Tageseintritten um 4 Prozent zulegen. Vor allem mit Gästen aus Brasilien, Australien und den USA.

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