Sie brechen ein, stehlen und verschwinden wieder. Einbrecher halten nicht nur Polizisten auf Trab, sondern auch Versicherer. Erste Zahlen aus diesem Jahr machen jedoch Hoffnung. Gleich drei grosse Schadenversicherer, die Allianz-Suisse, die Baloise und die Mobiliar, verzeichnen bis zu 10 Prozent weniger Einbruchfälle. Und dies bei gleichbleibender Anzahl Verträge.

Die Gründe für diese Trendwende sind unterschiedlich. «Zum einen sind die Menschen vorsichtiger geworden», sagt Amos Winteler von der Baloise. Zum anderen würden auch die verschiedenen Präventionsmassnahmen Wirkung zeigen. Bei der Allianz-Suisse geht Bernd de Wall davon aus, dass auch der regnerische Sommer zum Rückgang beigetragen hat. «Die Aktivitäten haben sich mehr nach Hause verlagert, was den Einbrechern das Leben erschwert haben dürfte», sagt de Wall.

Längst ist aber auch die Polizei in die Offensive gegangen. So werden in Bern Grosskontrollen bewusst auf Autobahnen durchgeführt, da die Täter häufig in deren Nähe einbrechen. Zusätzlich hat die Aargauer Polizei eine Sonderkommission eingesetzt, welche gezielt gegen festgenommene Einbrecher aus dem Osten vorgeht.

Die Zahl der Einbrüche ist aber noch immer auf hohem Niveau. So brechen alle neun Minuten irgendwo in der Schweiz Diebe in eine Wohnung oder in ein Haus ein. 56 930 Einbrüche verzeichneten die Polizeien vergangenes Jahr. Es ist attraktiv, hierzulande einzubrechen. Zum einen gibt es so einiges zu holen und zum andern sind über die Hälfte der Wohnungen und Häuser schlecht gesichert. «Die meisten Fenster und Wohnungstüren haben geübte Einbrecher in 10 bis 20 Sekunden geknackt», sagt Markus Stauffer. Er spricht aus Erfahrung. Mehr als 30 Jahre war er bei der Stadt- und Kantonspolizei Bern tätig. Zusammen mit der Schweizerischen Kriminalprävention (SKP) will Stauffer nun den Einbrechern das «Handwerk» erschweren.

«Sicheres Wohnen Schweiz» heisst das Projekt, bei dem Behörden und Vertreter der Sicherheitsbranchen mitarbeiten. Ihr gemeinsames Ziel: Fenster und Türen bei Wohnungen, Privathäusern und Gewerbebetrieben widerstandsfähiger zu bauen oder entsprechend nachzurüsten. Und zwar nach dem Standard «Widerstandsklasse 2». Solche Fenster und Türen halten einem Einbrecher drei Minuten stand. «Brauchen Einbrecher mehrere Minuten, um einzudringen, lassen sie erfahrungsgemäss vom Objekt ab», sagt Stauffer.

Die Schwierigkeit wird wohl sein, die Vermieter und Eigentümer dazu zu bringen ihre gefährdeten Türen und Fenster baulich und technisch aufzurüsten. Das weiss auch Stauffer. Einerseits will er deshalb den erhöhten Einbrecherschutz definieren und gesetzlich verankern. Andererseits soll es Anreize geben. «Es ist denkbar, dass Versicherte, welche sich mit Investitionen zum Einbruchschutz engagieren, Rabatte auf der Versicherungsprämie erhalten», sagt Stauffer. Eine andere Möglichkeit könne sein, im Schadenfall lediglich einen reduzierten Selbstbehalt zahlen zu müssen.

Die Durchschnittskosten pro Einbruch haben in den vergangenen Jahren stetig zugenommen. So auch bei der AXA Winterthur. Noch 2010 betrug die durchschnittliche Schadenhöhe 5600 Franken. Jetzt sind es 6500 Franken. «Wir stellen eine zunehmende Professionalität bei den Einbrüchen fest», sagt Bettina Steiner von der AXA Winterthur. Bei den Langfingern besonders beliebt: Schmuck, Bargeld und kleine Tresore, die sie hinaustragen können. Schweizweit belaufen sich die jährlichen Schadenkosten auf 280 Millionen Franken.

Oft viel schlimmer als der materielle Schaden ist die Zerstörung des Sicherheitsgefühls. So leidet jedes fünfte Einbruchsopfer auch psychisch und hat noch nach mehreren Wochen Mühe, sich in den eigenen vier Wänden wohlzufühlen. «Bei gewissen Menschen sind die Anpassungsprobleme so gross, dass sie zügeln wollen. Doch so sind die Ängste meistens nicht zu mildern», sagt Rahel Bachem vom Psychologischen Institut der Universität Zürich. Sie hat 85 Einbruchsopfer befragt.

Ein Einbruch kann für die betroffenen Personen ein stark belastendes Ereignis darstellen. «Rund 70 Prozent der Opfer fühlen sich danach hilflos, traurig und frustriert», sagt Bachem. Ebenfalls leidet jedes dritte Opfer stark unter den Gefühlen von Ekel und Abscheu. «Viele fühlen sich oft alleine, weil es kaum Selbsthilfeangebote gibt.» Deshalb hat Bachem den Ratgeber «Ist es noch mein Zuhause» entwickelt. Dieser soll helfen, in den Alltag zurückzufinden. In Kürze steht er online zur Verfügung.

Angst nach Einbruch
Für eine Studie sucht Rahel Bachem Opfer von Einbrüchen. Sie will herausfinden, wer nach Einbrüchen am meisten leidet und wie ihr Ratgeber hilft. Interessierte können sich unter 044 635 73 30 zur Teilnahme melden.

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