Letzte Woche machte der Bundesrat den Einkaufs-Centern «Fox Town» in Mendrisio TI und «Designer Outlet» in Landquart GR ein Geschenk. Mit einer Verordnungs-Änderung ermöglicht ihnen die Landesregierung die permanente Öffnung am Sonntag. Darüber hinaus ist dies bereits in vom Bund definierten Fremdenverkehrsgebieten saisonal erlaubt. Die eigentlich grössten Tourismus-Orte des Landes – die Städte Zürich und Basel etwa – müssen aber am siebten Tage weiterhin strikte Ruhe halten. Das ärgert betroffene Touristiker.

Während die Geschäfte an der Pariser Einkaufsmeile Champs-Élysées sonntags ebenso geöffnet sind wie jene an Toplagen in Rom oder Madrid, herrscht in der grössten Schweizer Tourismusdestination Zürich am Sonntag sogar an der Bahnhofstrasse tote Hose. Das soll sich ändern, findet der Zürcher Tourismusdirektor Martin Sturzenegger. Die Bahnhofstrasse werde täglich von Tausenden Touristen besucht. «Zürich ist die Tourismusregion mit den meisten Übernachtungen in der Schweiz und auch unter den Städten die touristisch stärkste», sagt er. «Deshalb macht es Sinn, über dementsprechende Anpassungen bei den Ladenöffnungszeiten nachzudenken.» In der Stadt Zürich und in der Flughafenregion seien im Jahr 2014 über vier Millionen Logiernächte registriert worden. «Darunter sind sehr viele Gäste, die ihren Einkaufsbummel gerne nach Wetterlage planen möchten, also auch sonntags von offenen Läden profitieren würden», sagt Sturzenegger. Auch abseits der Bahnhofstrasse gebe es in der Innenstadt eine Nachfrage nach Shoppingangeboten.

Gleich tönt es in Basel. «Es wäre aus touristischer Sicht wünschenswert, wenn gewisse Läden oder Quartiere am Sonntag geöffnet würden», sagt Daniel Egloff, Direktor von Basel Tourismus. Dies könne mithelfen, das für Gäste wichtige Shopping-Erlebnis auch am Sonntag zu ermöglichen – und damit die «teilweise gar ruhige Atmosphäre» in der Altstadt zu beleben. Für Basel Tourismus steht nun zur Debatte, sich beim Bund für die Schaffung eines Fremdenverkehrsgebietes in Basel einzusetzen. Nächste Woche diskutiert der Basler Tourismus-Vorstand das Thema und beschliesst das weitere Vorgehen.

Die Touristiker in der Bundesstadt sehen es ähnlich: «Einer der Schwachpunkte im touristischen Angebot der Stadt Bern ist, dass die Öffnungszeiten oft nicht gästegerecht sind», sagt Michael P. Keller, Vizedirektor von Bern Tourismus. Dies zeige ein Bericht der Universität Bern zuhanden der Volkswirtschaftsdirektion des Kantons auf. Nicht anders der Tenor in Luzern: «Im Interesse unserer Gäste würden wir liberalere Öffnungszeiten und die Möglichkeit für Sonntagsverkäufe begrüssen», sagt Sibylle Gerardi, Sprecherin von Luzern Tourismus. «Dies ist heute international Standard und ein Bedürfnis.»

Tatsächlich sind die restriktiven Schweizer Öffnungszeiten für viele Gäste ein Problem. An der Zürcher Bahnhofstrasse sei nur etwas besonders eindrücklich, befand etwa eine Benutzerin des Reiseportals Tripadvisor letzten November: «Dass wirklich alle Geschäfte am Sonntag geschlossen sind!» Nur zwei von fünf Sternen vergab die junge Frau aus Singapur der Zürcher Einkaufsmeile denn im virtuellen Rating. Neue Zahlen aus einer repräsentativen Umfrage von Schweiz Tourismus mit 14 000 Befragten zeigen, dass jeder dritte Tourist mit den hiesigen Öffnungszeiten unzufrieden ist. Die Zufriedenheit wäre noch viel tiefer, hätten nicht die zahlenmässig stark vertretenen Schweizer zu 75 Prozent Zufriedenheit angegeben. Weniger als die Hälfte der Touristen aus Spanien, Italien, Brasilien, den Golfstaaten oder China hingegen erachten die Schweizer Öffnungszeiten als gut. Bei den Japanern waren es gar nur 28 Prozent. Bei den Amerikanern und Besuchern aus den nordischen Ländern fand nur jeder Zweite, die Öffnungszeiten in der Schweiz seien akzeptabel.

Bei den Betroffenen stösst die Idee der Sonntags-Öffnung auf geteiltes Echo. «Ich begrüsse die Idee, Geschäfte an der Bahnhofstrasse sonntags öffnen zu dürfen», sagt Franz Türler, Inhaber zweier Uhrengeschäfte an der wichtigsten Zürcher Einkaufsmeile. Ob er seine Geschäfte an der Bahnhofstrasse sonntags öffnen würde, wisse er nicht. «Vermutlich würden wir dies nicht jeden Sonntag tun», sagt er, «aber in gewissen Wochen in der Tourismus-Saison im Sommer kann ich mir das gut vorstellen.» Die Bahnhofstrasse würde dadurch attraktiver werden, sagt er.

Die Zürcher City-Vereinigung winkt allerdings ab. Die Besucher-Frequenzen seien zu tief, sagt Geschäftsführer Andreas Zürcher. «Ein permanenter Sonntagsverkauf», sagt er, «würde sich schlicht und einfach nicht lohnen.»

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