Au revoir, Paris, adios, Madrid: Schweizer Studenten müssen künftig auf einige der beliebtesten Städte verzichten, wenn sie ein Semester im Ausland verbringen wollen. Dabei schien das Erasmus-Programm bereits gerettet. Bund und Hochschulen kündigten an, bilaterale Verträge mit den europäischen Partneruniversitäten auszuarbeiten – und notfalls die Kosten für den Studentenaustausch allein zu stemmen. Doch das reicht Universitäten in ganz Europa offenbar nicht.

Eine Umfrage unter den Hochschulen zeigt, dass europäische Hauptstädte oft ein bilaterales Abkommen ablehnen. So hat die Uni Zürich eine Absage von der grössten spanischen Universität (Universidad Complutense) in Madrid erhalten. Auch die renommierte Université de Paris-Sorbonne in Frankreich will im kommenden Semester keine Schweizer Austauschstudenten aufnehmen.

Ähnliche Rückmeldungen erreichen die Universitäten Basel (Absagen aus London, Udinese, Uppsala) und Bern (aus Spanien und Grossbritannien). Es ist ein schwerer Rückschlag in den Bemühungen, das Erasmus-Programm nach dem Ja zur Zuwanderungsinitiative aufrechtzuerhalten.

Selbst die weltweit angesehene ETH Zürich muss künftig auf einen gewichtigen Partner aus England verzichten. Die University of Cambridge will ausserhalb des Erasmus-Programms keine Verträge mit der Hochschule abschliessen. Das beeinträchtigt den Schweizer Forschungsnachwuchs, Cambridge gilt in den internationalen Rankings als die beste Universität Europas.

Die Absagen kommen überraschend, weil Europas Universitäten mit einer neuen Vereinbarung kein finanzielles Risiko tragen würden. Selbst für den Fall, dass der Bund doch nicht alle Kosten übernehmen kann, würden die Schweizer Hochschulen selbst Millionenbeträge bereitstellen. Dass trotzdem mehrere Universitäten auf einen Austausch mit der Schweiz verzichten, hat laut Antonio Loprieno, Präsident der Schweizer Rektorenkonferenz (CRUS), vor allem zwei Gründe. Erstens scheuten einige Partneruniversitäten den zusätzlichen administrativen Aufwand, der durch neue Verträge entsteht. Zweitens sei es eine Frage der Politik. Universitäten in Spanien oder Frankreich würden sich eher den politischen Vorgaben der EU beugen also solche in Skandinavien oder Deutschland, die bereits neue Verträge unterschrieben haben.

Ein weiteres Problem liegt darin, dass der Bund noch keine genauen Angaben zur angekündigten Unterstützung macht. Zwar arbeitet das Staatssekretariat für Bildung und Forschung derzeit an einer Übergangslösung. Wie diese Finanzhilfe aussehen soll und wohin die Beträge fliessen, ist aber offen.

«Es ist schade, wenn unsere Studierenden auf einige der begehrtesten Destinationen verzichten müssen», sagt Michael Hengartner, Rektor der Universität Zürich. Es gäbe aber gute Alternativen, teilweise in denselben Städten. Oberstes Ziel bleibe allerdings, so schnell wie möglich ins Erasmus-Programm aufgenommen zu werden.

Seit Wochen arbeiten die Schweizer Universitäten unter Hochdruck daran, mit jeder einzelnen europäischen Partneruni neue Verträge abzuschliessen – mit einer sehr guten Quote. Die Uni Zürich hat bislang 288 Zu- und 11 Absagen erhalten. 152 Verhandlungen sind noch pendent. Allerdings kommen nun die härteren Fälle. «Der erste Schub von Verträgen mit ausserordentlich kooperativen Partnern war schnell unterzeichnet», sagt Yasmine Inauen, Leiterin der Abteilung internationale Beziehungen an der Universität Zürich. Nun stünden Gespräche an, bei denen die Partner mehr abklären wollten. Inauen rechnet mit längeren Verhandlungen.

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