Das wirft Fragen auf: Nehmen Schweizer Spitäler komplexe Operationen vor, weichen die Sterberaten stark voneinander ab. Zudem fehlt es den Chirurgen vielerorts offenbar an Übung. Das geht aus einer Auswertung der «Qualitätsindikatoren von Schweizer Akutspitälern» hervor, die die «Schweiz am Sonntag» in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsökonomen Heinz Locher erstellt hat.

Bei Operationen an der Bauchspeicheldrüse beispielsweise gelingt es dem Berner Inselspital, die Sterberate auf drei Prozent zu drücken. Bei 262 dieser höchst komplexen Eingriffe starben in den Jahren 2008 bis 2011 «nur» acht Menschen. Hingegen starben im Kantonsspital Aarau ebenfalls acht Menschen, obschon das Spital bloss 70 dieser Eingriffe vornahm. Das entspricht einer Sterberate von 11 Prozent. Beunruhigend ist auch, dass einige Spitäler selbst äusserst komplexe Operationen selten durchführen. Spitäler wie Sonnenhof BE, St. Anna LU oder Hirslanden Aarau kommen in vier Jahren nicht einmal auf 30 Operationen an der Bauchspeicheldrüse. Das bedeutet, dass die Chirurgen dort nur alle zwei oder drei Monate die Gelegenheit zum Üben haben.

Locher ist ob solcher Zahlen verärgert. «Wir kennen diese Unterschiede schon seit Jahren. Dennoch wird ihnen nicht auf den Grund gegangen.» Die Branche verlege sich jeweils darauf, solche Vergleiche als unzureichend abzutun, mit dem Verweis auf nicht berücksichtigte Risiken. «Sie sollte sich besser dafür einsetzen, dass sie endlich die Qualität besser erfasst und besser sicherstellt.» Dass dies nicht schon längst geschieht, findet Locher unverständlich. «Wir wissen, dass es jedes Jahr 1000 bis 3000 vermeidbare Todesfälle in Schweizer Spitälern gibt.»

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