Knall auf Fall hat Bundesanwalt Michael Lauber letzte Woche Pierluigi Pasi freigestellt. Pasi war der Chef der Zweigstelle Lugano der Bundesanwaltschaft (BA). Die Absetzung des Mafia-Jägers schlug im Tessin ein wie eine Bombe.

Jetzt werden die Tessiner Bundesparlamentarier vorstellig bei Lauber in Bern: «Die Tessiner Delegation wird Bundesanwalt Lauber nächste Woche zu einer Aussprache treffen», bestätigt CVP-Nationalrat Marco Romano, der wie Pasi aus Mendrisio stammt.

Romano will von Lauber Klartext hören. In Bezug auf Pasi. Dieser hat am Freitag im «Corriere del Ticino» selbst festhalten müssen, dass gegen ihn keine administrativen oder strafrechtlichen Verfahren laufen. Romano will nun, dass die BA selbst das auch sagt. «Das hat sie bisher nicht getan und öffnet unbegründeten Spekulationen Tür und Tor», sagt Romano. «Es geht um die Glaubwürdigkeit der Bundesanwaltschaft.»

Tatsächlich wird die BA auf Anfrage jetzt klarer. «Die BA führt kein Disziplinarverfahren oder ein Strafverfahren gegen Pierluigi Pasi. Gegenstand der grundsätzlichen Meinungsverschiedenheiten bildet die Führung der Zweigstelle und nicht die Tätigkeit von Pierluigi Pasi als Staatsanwalt», sagt Sprecher André Marty. Er bestätigt auch, dass Lauber mit Pasi inzwischen «eine Vereinbarung über die Beendigung des Arbeitsverhältnisses getroffen» hat. Zu Details, etwa über die Höhe der Abfindung, schweigen die Beteiligten.

Im Tessin geht jetzt die Befürchtung um, dass Lauber die Zweigstelle stutzen will. Die Tessiner Delegation will auch hier Klartext hören: «Wir werden die Zusicherung verlangen, dass die Bundanwaltschaft die Situation im Tessin jetzt nicht ausnützt», sagt Romano. Im Gegenteil will der CVP-Vertreter verlangen, dass Lugano zur Schaltstelle im Anti-Mafia-Kampf wird. «Ein Thema bei der Besprechung wird sein, dass Lugano künftig die Koordination bei der Bekämpfung der italienischen organisierten Kriminalität (OK) übernimmt. Von hier aus sollen die Kontakte mit den italienischen Behörden koordiniert werden. Auch die Koordination mit der Bundeskriminalpolizei bei der Bekämpfung der italienischen OK gehört nach Lugano.»

Ohnehin verlangt Romano von der BA mehr Einsatz bei der Mafia-Bekämpfung, denn ’Ndrangheta und Co. hätten im Tessin längst Wurzeln geschlagen. «Man betont immer, auch in den Jahresberichten, wie wichtig der Kampf gegen die Mafia sei, aber Priorität hat er dann doch nicht. Dann soll man aber gefälligst dazu stehen.» Lauber hatte 2014 in einem Interview gesagt, im Kampf gegen die Mafia mache die BA «keine Abenteuer mehr». Parallel dazu ist die Abteilung «Organisierte Kriminalität» aus dem Organigramm der BA verschwunden. Der Bereich wurde in die Abteilung Staatsschutz integriert. Dabei hatte Lauber bei seinem Amtsantritt 2012 die Bekämpfung der OK, namentlich der Mafia, zuoberst auf seine Prioritätenliste gesetzt.

Die Tessiner haben eine weitere Forderung: «Der Nachfolger von Pasi muss italienischer Muttersprache sein», macht Romano klar. «Das kann ein Tessiner sein oder ein Bündner. Einen Deutschschweizer mit Schulitalienisch werden wir aber nicht akzeptieren.»

Lauber wird am Mittwoch vom Parlament als Bundesanwalt wiedergewählt. Trotz diverser Kritik etwa wegen des Umgangs mit dem Personal ist der Entscheid eine Formsache.

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