Bundesart Alain Berset wirft den Kopf immer wieder nach vorn, die auseinandergerissenen Mundwinkel betonen jede Silbe. Er macht deutlich: Was ich sage, ist wichtig. Wie ich es sage, genauso. Er, der Westschweizer, spricht Deutsch. Die Landessprachen seien «wirklisch» entscheidende Merkmale unserer geliebten Schweiz, bekräftigt Berset. Seine Botschaft ist klar: Le français est obligatoire.

Der Bundesrat hat diese Woche verkündet, die Kantone notfalls per Bundesgesetz zum Frühfranzösisch zu zwingen. Damit stellt sich die Landesregierung einer Welle von Volksinitiativen in der Deutschschweiz entgegen, die den Fremdsprachenunterricht in der Primarschule reduzieren wollen. Doch im Getöse ist eine andere Landessprache untergegangen: Italienisch. Dabei beschworen die Sprachverfechter den nationalen Zusammenhalt.

Das Tessin fühlt sich übergangen – und wehrt sich jetzt. Ihm sei klar, dass Italienisch nicht obligatorisch an allen Schulen gelehrt werden könne, sagt Manuele Bertoli (SP), Erziehungsdirektor des Kantons Tessin, «aber alle Kantone müssten in den Primar- und Sekundarschulen Italienisch zumindest fakultativ anbieten». Eine Auflistung der Konferenz der Kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) zeigt, dass Italienisch in der ganzen Schweiz freiwillig belegt werden kann, in den meisten Kantonen allerdings erst ab dem 8. oder 9. Schuljahr oder wie in Obwalden erst am Gymnasium. Verpflichtend für alle Kinder ist Italienisch nur in Graubünden und natürlich im Tessin. «Die Schweiz ist nicht bilingual», sagt Bertoli, «nur vergessen das viele.» Italienisch gehöre ebenso zu unserem Land wie Deutsch und Französisch. Deshalb müssten Kantone und Schulen den Kursen höhere Bedeutung beimessen.

«Wenn Italienisch nur am Mittwochnachmittag angeboten wird, wenn alle anderen Klassenkameraden frei haben, will natürlich kein Kind oder Jugendlicher in den Kurs», sagt er. Es gelte, die Stundenpläne abzugleichen und dabei den Italienischunterricht stärker zu berücksichtigen.

Gymnasien machen es vor
Bertoli kämpft seit Jahren für einen höheren Stellenwert der dritten Landessprache. Er war massgeblich an der Stärkung des Italienischen an den Gymnasien beteiligt. Vor einem Jahr empfahl die EDK den Kantonen, allen Gymnasiasten, die Italienisch als Maturitätsfach belegen wollen, ein entsprechendes Angebot zur Verfügung zu stellen. Wo dies nicht möglich ist, sollten Kooperationen mit anderen Schulen gesucht werden. Dabei geht es auch darum, den Austausch mit den italienischsprachigen Regionen zu fördern. Derzeit arbeiten die Mittelschulen daran, ein Angebot zu schaffen.

«Allen wird es nicht gelingen», sagt EDK-Präsident Christoph Eymann. Aber er ist zuversichtlich, dass mit Kooperationen die meisten Mittelschüler Italienisch als Maturitätsfach belegen können. Ähnlich wie die Romands würden die Tessiner genau darauf achten, welche Bedeutung die Deutschschweizer den Landessprachen beimessen. Erst kürzlich flatterte ihm ein Brief aus dem Tessin auf den Tisch, weil angeblich ein Italienischkurs an der Uni Basel gestrichen werden sollte. «Als Mehrheit müssen wir aufpassen, welche Signale wir in die anderen Landesteile senden», sagt Eymann.

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