Sag mir, was du isst, und ich sage dir, wer du bist: Mit einer Aussage unter diesem Motto hat sich eine Sicherheits-Managerin der Fluggesellschaft Swiss in die Nesseln gesetzt und einen Aufschrei unter Muslimen provoziert. An einer Sicherheitskonferenz mit Behördenvertretern europäischer Staaten in Ungarn sagte sie gemäss der Zeitung «Middle East Eye» kürzlich, Informationen über vorbestelltes Essen könne den Behörden helfen, mehr über Reisende zu erfahren.

«Wenn sie zum Beispiel muslimisch, koscher oder vegetarisch bestellen, weiss man schon ein wenig über die Person», zitierte die Zeitung die Managerin. Die Aussage sei mit Bezug auf die halal zubereiteten Essen, welche Muslime bestellen können, gefallen. Die Aussage machte schnell die Runde: Im Internet formierte sich Protest gegen die Airline. Sie stelle damit Muslime unter Generalverdacht, hiess es in verschiedenen sozialen Medien. Nutzer befürchteten, die Swiss wolle damit ein «Muslim-Register» aufbauen, verschiedene Nutzer riefen zum Boykott der Airline auf.

«Zitat falsch verwendet»
Die Swiss beruft sich auf ein Missverständnis. Die Zeitung habe Aussagen der Swiss-Managerin «komplett falsch dargestellt», sagt Swiss-Sprecherin Karin Müller. Nach einer Intervention sei der Artikel zum Teil angepasst worden. Korrekt sei, dass die Swiss keinesfalls sensitive Daten an Behörden weitergebe und dies auch in Zukunft nicht zu tun gedenke.

«Unsere Vertreterin hat während der Konferenz daher auch explizit darauf hingewiesen, dass es den Fluggesellschaften nicht erlaubt ist, Passagierdaten, welche auf Religion, Gesundheitszustand oder politische Ausrichtung schliessen lassen könnten, an die Behörden weiterzugeben», sagt Müller – auch wenn sie für diese allenfalls von Interesse sein könnten. Informationen wie beispielsweise Spezialessen oder die Buchung eines Rollstuhlplatzes würden nicht übermittelt. Man bedaure sehr, wenn die falsch verwendeten Zitate bei einer Personengruppe für Verwirrung gesorgt hätten.

Airlines übermitteln bereits heute je nach Staat unterschiedlich detaillierte Informationen über ihre Passagiere. Üblich sind Daten zu den Passdokumenten, Geschlecht, Geburtsort oder Informationen zur Zahlungsart. Muslime in der Schweiz vertrauen der Swiss: «Jemanden aufgrund seiner religiösen oder ideologischen Essgewohnheiten irgendwo in eine Ecke zu stellen, war wohl kaum die Absicht der Airline», sagt Önder Güneş, Sprecher der Föderation islamischer Dachorganisationen der Schweiz.

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