Für die Hochschulen bricht eine neue Ära an. Seit dieser Woche treten Universitäten, Fachhochschulen und pädagogische Hochschulen unter dem Dach der Swissuniversities auf. Den ersten Erfolg hat der neu gegründete Verein aber noch im alten Jahr verbucht – und das am anderen Ende der Welt.

Vor wenigen Wochen haben Bund und Universitäts-Rektoren einen Forschungsvertrag mit Australien unterzeichnet. Geplant ist eine enge Zusammenarbeit mit den besten acht Hochschulen aus Down Under. Australien soll künftig ein Land für Schweizer Wissenschafter und Studenten werden.

Mit dem Abkommen reagieren die Rektoren auch auf die Annahme der Masseneinwanderungsinitiative und den damit verbundenen Ausschluss der Schweiz vom europäischen Austauschprogramm Erasmus. Zwar wurde eine Zusammenarbeit mit Australien schon vor dem 9. Februar diskutiert, doch das Abstimmungsergebnis gab einen entscheidenden Schub, wie Antonio Loprieno vom Swissuniversities-Vorstand erklärt. «Nach der Abstimmung haben wir uns wieder intensiv mit Australien befasst», sagt er. Davor waren die Pläne auf Eis gelegt.

Die Partnerschaft ermöglicht einen Austausch ohne Hürden für Studierende und Dozenten. Einerseits lockern die australischen Behörden die Visa-Bestimmungen für Schweizer Studenten, andererseits erhalten die Akademiker finanzielle Unterstützung vom Bund. Damit wird ein Austauschsemester in Australien nicht nur wegen des Erasmus-Aus attraktiver. Swissuniversities geht es auch um die internationale Reputation der Schweizer Hochschulen. «Eine globale Öffnung ist notwendig, um unseren Forschenden und Lernenden weiterhin Kooperationen auf Augenhöhe bieten zu können», sagt Loprieno.

Dafür reiste Ende November eigens eine Schweizer Delegation nach Australien. In nur fünf Tagen besuchte das achtköpfige Team Sydney, Melbourne, Brisbane und die Hauptstadt Canberra, wo die letzten Details geklärt wurden. Es sei eine Ehre, als erstes Land einen Vertrag mit Swissuniversities zu unterzeichnen, liessen die australischen Behörden verlauten.

Doch auch die Schweiz profitiert. Die besten acht australischen Universitäten belegen ähnlich wie die Hochschulen hierzulande stets Top-Platzierungen in den internationalen Rankings. Ausserdem soll die Kooperation helfen, die Schweiz unter den vielversprechendsten Talenten attraktiver zu machen.

Wenn es um ein englischsprachiges Studium gehe, wüssten viele Australier schlicht nicht, dass die Schweiz eine Option sei, sagt Mauro Moruzzi vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation. Schliesslich werden viele Vorlesungen auf Englisch gehalten.

Solche bilateralen Forschungsverträge würden an Bedeutung gewinnen, sagt Moruzzi, der eines der Mitglieder der Schweizer Delegation in Australien war. Weitere Abkommen könnten in den kommenden Jahren folgen.

Dabei schaut sich die Schweiz unter den aufstrebenden Forschungsnationen um. Länder wie Mexiko, Argentinien, Malaysia und Indonesien hätten mittelfristig grosses Potenzial, sagt Moruzzi. «Wir versuchen immer relativ früh, Kontakte zu knüpfen.» In mehreren Ländern ist das bereits gelungen: Künftig werden Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika stärker in den Fokus der Schweizer Forscher rücken.

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