In Deutschland sind das Weisse Kreuz und Campus für Christus dafür bekannt, dass sie «Homo-Heilungs-Seminare» veranstalten. Der deutsche Staat oder die Arbeitsgemeinschaft Kirche & Rechtsextremismus warnen vor den Organisationen. Ihre Schweizer Ableger hingegen gelten als gemeinnützig. Sie müssen keine Steuern mehr bezahlen, und Spender können ihre Zulagen in Abzug bringen.

Aus ihrer Überzeugung machen sie keinen Hehl: Auf der Schweizer Internetseite von CfC wird etwa Kursleitern empfohlen, «auf der Hut» zu sein vor Aussagen wie jener, dass die Bibel Homosexualität nicht verbiete. Empfohlen wird, Bibelstellen zu zitieren, die Teilnehmer «zu anderen Einsichten» führten. In der Mitgliederzeitschrift fabulieren Psychotherapeuten über «Zerrbilder der Liebe» wie «sexueller Missbrauch, Pädophilie und Homosexualität». Online verkaufen die Evangelikalen das Buch «Heisse Eisen angepackt: Homosexualität», das keinen Zweifel an der Sündhaftigkeit homosexuellen Verhaltens lässt.

Ähnliches gilt für das Weisse Kreuz. Unlängst veranstaltete die Organisation in Kassel eine Konferenz mit selbst ernannten Homo-Heilern. Ihr Schweizer Ableger wurde von der Organisation Wüstenstrom, die «Umpolungen» für Homosexuelle anbietet, 2005 in einer Broschüre als Unterstützer aufgeführt. Ebenfalls dort aufzufinden ist die Christlich Therapeutische Lebensberatung (CTL) in Bern. CTL-Therapeut und Vorstandsmitglied Felix Scherrer taucht auch auf der Internetseite der Ex-Gay-Community Jason auf einer Therapeutenliste auf. Auch CTL ist gemeinnützig.

Scherrer sagt, er kenne Jason nicht. In seiner therapeutischen Tätigkeit arbeite er auch mit Frauen und Männern, welche sich «in ihrem sexuellen Empfinden als leidend erlebten». Es sei aber nicht sein Ziel, das sexuelle Empfinden zu verändern. Im Vordergrund stehe «die Förderung der Identität der Person, die Einzigartigkeit ihrer Persönlichkeit und die Erweiterung ihres Beziehungs- und Lebensraumes». CTL werde zwar an verschiedenen Orten als Kontaktstelle aufgeführt, identifiziere sich aber in keiner Form mit diesen Anbietern.

Mit Wüstenstrom zusammen arbeitet auch die Freikirche ICF. «Sexuelle Orientierung ist eine Entscheidung, Entscheidungen sind veränderbar», sagte ein ICF-Sprecher «20minuten». Der Kanton Baselland hat zwei ICF-Sektionen als gemeinnützig anerkannt. Im Kanton Aargau gilt die ICF-Tochter Lovewins als gemeinnützig, der Kanton Bern hat ICF Bern Life denselben Status zugestanden. Gemeinnützig ist in mehreren Kantonen auch Jugend mit einer Mission, die in Zusammenhang mit Homo-Heilungs-Anstrengungen gebracht wird.

Dass solche Organisationen von der Steuerpflicht befreit werden, überrascht FDP-Nationalrat Hans-Peter Portmann. «Allgemein sollte niemand vom Staat privilegiert werden, der sich nicht kompatibel mit den Grundsätzen und Werten unserer Verfassung verhält, und dazu gehört auch das Diskriminierungsverbot aufgrund der Lebensform», sagt er. Er sei kein Freund ständiger Verbote und Regulierungen. Es könne aber nicht sein, dass der Staat finanzielle Entlastungen dort gewähre, wo gegen das allgemeine Gedankengut verstossen werde. «Also braucht es hier eine Handhabung, dass man aufgrund nicht vorhandener Verfassungskonformität einer Organisation auch den Status der Gemeinnützigkeit wieder entziehen muss oder gar nicht erteilen darf.» Ähnlich äussert sich Bastian Baumann, Geschäftsführer von Pink Cross. «Der Staat sollte religiöse Gruppierungen oder Organisationen, die sich nicht klar vor diskriminierenden Haltungen distanzieren, nicht fördern», sagt er.

Von der Steuer befreit werden können Organisationen, die Tätigkeiten aus selbstlosen und altruistischen Motiven erbringen. «Die Tätigkeit muss aus der jeweils geltenden gesellschaftlichen Gesamtsicht als förderungswürdig erscheinen», heisst es bei der Steuerverwaltung des Kantons Graubünden. Die Verbreitung von homophobem Gedankengut liege aber nach ihrer Auffassung nicht im Allgemeininteresse. Dass diverse betroffene Organisationen dennoch auf der Liste der gemeinnützigen Organisationen des Kantons Graubünden und anderer Kantone stehen, hängt damit zusammen, dass in der Regel die Anerkennung des jeweiligen Sitzkantons übernommen wird.

Wieso die betroffenen Organisationen von der Steuerpflicht befreit wurden, wollen die zuständigen Kantone mit Verweis auf das Steuergeheimnis nicht begründen. Vereinzelt auftretende Ansichtsäusserungen schadeten einer anerkannten gemeinnützigen Tätigkeit grundsätzlich nicht, heisst es etwa beim Kanton Basel-Landschaft, «solange diese nicht die ausschliessliche Tätigkeit beinhalten und grundlegende rechtsstaatliche Prinzipien verletzen».

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