Zum grossen Andrang beigetragen hat auch der Freitod von Fussball-Legende Timo Konietzka. Zu Hause in Brunnen SZ schluckte der gebürtige Deutsche im März den Todescocktail Natrium-Pentobarbital. In der selbst verfassten Todesanzeige lobte Konietzka die Organisation: «Ich möchte mich an dieser Stelle ganz herzlich bei Exit bedanken, die mich von meinen Qualen erlöst und auf dem schweren Weg begleitet hat.»

Die grosse Aufmerksamkeit durch den Tod des 73-Jährigen löste einen Ansturm auf Exit aus. In der Schweiz sind danach während knapp zweier Wochen durchschnittlich 60 Neuanmeldungen pro Tag eingegangen. Hinzu kamen Telefonanrufe und über 100 E-Mails von kranken Menschen aus Deutschland. «Sie alle wollten wie Konietzka mit einem Sterbemittel friedlich einschlafen», sagt Exit-Vizepräsident Bernhard Sutter. Allerdings nimmt Exit nur Mensch mit Wohnsitz in der Schweiz auf. Deshalb dürften viele Anfragen ausländischer Sterbewilliger bei Dignitas gelandet sein, die aber noch keine neuen Zahlen bekannt gibt.

Dignitas hat im letzten Jahr 144 Menschen in den Tod begleitet. Nur fünf davon kamen aus der Schweiz, die meisten stammten aus Deutschland, Grossbritannien und Frankreich. Exit hat im selben Zeitraum 305 Menschen bei ihrem Freitod betreut und zählt heute in der Deutschschweiz rund 61 000 Mitglieder. Vizepräsident Sutter ist zuversichtlich, dass weitere hinzukommen. «Wir stehen dieses Jahr durch unser 30-Jahr-Jubiläum und den Weltkongress der Sterbehilfegesellschaften vermehrt im Rampenlicht. Deshalb wird es hoffentlich weiter so erfolgreich aufwärtsgehen.»

Nach Timo Konietzkas Tod setzt sich nun seine Witwe Claudia für Exit ein. So wird sie im Juni am öffentlichen Publikumstag des Weltkongresses in Zürich darüber sprechen, wie sie das selbstbestimmte Sterben ihres Mannes empfunden hat und wie es ihr heute geht.

Exit suche die Publizität aber nicht, sagt Sutter. Freitodbegleitungen würden absolut diskret behandelt. «Ob darüber kommuniziert wird, liegt im Ermessen des Kranken und seiner Familie.»

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