Um den immensen Erwartungen gerecht zu werden, setzt der amerikanische Regisseur J. J. Abrams auf Expertise aus der Schweiz. In Zusammenarbeit mit der ETH Zürich tüfteln Forscher an Spezialeffekten für die Weltraum-Saga. Dabei geht es um echt wirkende Animationen von Gesichtern, wie ETH-Professor und Direktor von Disney Research Zürich, Markus Gross, im neusten ETH-Magazin «Globe» erklärt. Die Forscher haben einen Scanner gebaut, um die Weltraumsoldaten, die sogenannten Storm Troopers des nächsten «Star Wars», mit individuellen Gesichtern versehen zu können, sagt Gross dem hauseigenen Magazin. Weitere Quellen bestätigen die Beteiligung der Zürcher Forscher an der Fortsetzung der Kult-Trilogie, die 1977 ihren Anfang nahm.

Details nennt Disney Research auf Nachfrage nicht. «Wir können zu laufenden Filmprojekten keine Auskünfte geben», sagt Stephan Veen, Manager von Disney Research Zürich. Dass sich die Forscher mit dem Perfomance Capture System beschäftigen, sei aber richtig.

Die Technologie kam bereits beim Disneymärchen «Maleficent» zum Einsatz, das 2014 mit Angelina Jolie in der Hauptrolle in den Schweizer Kinos lief. Eine spezielle Software errechnet dabei aus Aufnahmen eines Schauspielers hochaufgelöste 3-D-Gesichter. So wirkten die computeranimierten Feen des Märchens lebensecht.

Die Beteiligung der Zürcher Forscher an den neuen «Star Wars»-Filmen kommt nicht aus heiterem Himmel. Mehr als 40 Computerwissenschafter und 20 ETH-Doktoranden forschen seit 2009 an den neusten Technologien für die Unterhaltungsindustrie. Neben «Maleficent» hat das Disney Resarch Lab in Zürich bereits an anderen Produktionen des Filmriesen Disney mitgewirkt. Die Forscher kreierten das Haar von «Rapunzel – neu verföhnt» oder das Eis in «Frozen – die Eisprinzessin», dem erfolgreichsten Animationsfilm aller Zeiten. Zuletzt arbeitete das Team an «Big Hero 6». Das Abenteuer gewann im Februar den Oscar für den besten Animationsfilm.

Auch mit «Star Wars» haben die Tüftler des Research Lab bereits erste Erfahrungen gemacht. Die Gesichts-Software aus Zürich kommt für individualisierte Spielzeugfiguren zum Einsatz, die man an «Star Wars»-Fanmessen kaufen kann. Nun folgt der Schritt zur grossen Leinwand. Einfach wird das nicht. «Spezialeffekte auf menschlichen Gesichtern sind das Schwierigste, was es im Bereich der Spezialeffekte gibt», sagte Direktor Gross noch vor wenigen Jahren in einem Interview.

Doch im neuen Film geht es um mehr als nur Spezialeffekte. Es geht um Nostalgie, um Abenteuer, um Träume. Im Trailer tritt Harrison Ford erstmals seit 32 Jahren wieder als Han Solo auf: «Chewie, wir sind zu Hause», sagt er. Fünf Worte, die Disney schon jetzt reich gemacht haben. Der Aktienkurs legte nach der Trailer-Veröffentlichung binnen Minuten um 1 Prozent zu. Das macht aufaddiert ein Plus von 2 Milliarden Dollar.

Die Nerds müssen sich aber noch etwas gedulden. Erst im Dezember kommt der Film in die Kinos. Dann wird sich zeigen, ob Regisseur J. J. Abrams die Erwartungen der Fangemeinde erfüllen kann. Möge die ETH mit ihm sein.

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