Die YB-Fans und die St. Galler Sicherheitskräfte sind sich definitiv nicht grün. Auch wenn grün die Klubfarbe des FC St. Gallen ist. Das verdeutlichen die Ereignisse der letzten beiden Spiele YB’s in St. Gallen.

Zuerst war da das Heimspiel St. Gallens gegen YB von letzter Saison (3:1). Am 4. Mai kam es in der AFG-Arena zur Eskalation, nachdem ein YB-Fan mit Pyro angehalten worden war. Mehrere YB-Fans zerstören daraufhin aus Wut eine WC-Einrichtung. Mit Folgen: Die Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen hat die Dossiers von gegen 20 YB-Fans auf dem Tisch, die mit einem entsprechenden Strafverfahren rechnen müssen, wie Thomas Hansjakob bestätigt, erster Staatsanwalt St. Gallens.

Knapp ein halbes Jahr später kam es am 25. September in der AFG-Arena unter anderen Voraussetzungen erneut zu Scharmützeln zwischen St. Gallens Sicherheitskräften und YB-Fans. Weil rund 200 Personen aus Bern der Eintritt in den Nicht-Gäste-Sektor trotz gültiger Billette verweigert wurde. Inzwischen betreiben die YB-Fans die FC St. Gallen Event AG über 5700 Franken, wie die Schweiz am Sonntag letzte Woche meldete. Das Verfahren ist noch hängig.

Die Vorgeschichte des 4. Mai «hat die Situation am 25. September wohl verschärft», gesteht Daniel Last ein, Sprecher des FC St. Gallen. «Zusammen mit dem Hooligan-Konkordat.» An jenem 4. Mai kam es «zu schweren Ausschreitungen im Gästesektor», wie es Last formuliert. YB-Fans begannen, eine Toilettenanlage zu demontieren. Der Schaden betrug gemäss Last knapp 50 000 Franken.

Was damals passierte, sei eine Folge der «Enge bei den Sicherheitskontrollen der Gästefans» gewesen, sagt Clemens Friedli vom Berner Komitee gegen das Hooligan-Konkordat. Er habe persönlich zu vermitteln versucht. Als dann aber die Securitas mit Pfefferspray gegen die YB-Fans vorgegangen sei, habe er das aufgegeben. Die Sicherheitskräfte hätten die Situation jedenfalls «problemlos deeskalieren» können.

Die Ausschreitungen haben Folgen für die YB-Fans. Die St. Galler Kantonspolizei bestätigt, dass «Verfahren geführt und der Staatsanwaltschaft übermittelt wurden», wie Kommunikationschef Hanspeter Krüsi sagt. Aus Kreisen des FC St. Gallen verlautet, es handle sich um Dossiers von 20 YB-Fans. «Die Grössenordnung von 20 ist richtig», bestätigt Thomas Hansjakob, erster Staatsanwalt St. Gallens. Ein Teil der gewalttätigen Fans habe identifiziert werden können. Die Staatsanwaltschaft habe das bisher nicht kommuniziert, «weil es noch nicht klar ist, wie wir strategisch vorgehen».

Mit diesen Vorkommnissen im Hinterkopf beider Seiten kam es am 25. September erneut zu Ärger in der AFG-Arena. Dem FC St. Gallen war aufgefallen, dass «extrem wenig Tickets für den Gästesektor» verkauft wurden, wie Sprecher Last sagt. «Der YB-Sicherheitsdienst teilte uns dann vier Tage vor dem Spiel mit, welche Aktion aus dem YB-Umfeld geplant wurde.» 200 bis 300 Personen hätten sich nach und nach Tickets in den Sektoren B3 und B2 ausserhalb des Gästesektors gekauft. «Das Ziel war, sich bei Anpfiff in einer Ecke des Sektors zu sammeln und einen YB-Fanblock zu bilden», sagt Last. «Das schien uns und YB gefährlich, zumal es in diesem Sektor Familien, kleine Kinder und ältere Leute hat.» Was Clemens Friedli nur bedingt verstehen kann. Er sei zu 100 Prozent sicher gewesen, dass es «zu keinen Konflikten» gekommen wäre.

Ist das Verhältnis zwischen YB und St. Gallen nun nachhaltig gestört? Es sei «absolut in Ordnung», sagt YB-Mediensprecher Albert Staudenmann. Dass es nur in St. Gallen Probleme gebe, hänge «wohl auch damit zusammen, dass St. Gallen das Konkordat radikal anwendet». Das sei den Fans «ein Dorn im Auge». Zu den 20 Verfahren gegen YB-Fans meint Staudenmann: «Das ist sehr happig und sehr ungewöhnlich. Bei YB habe ich so etwas noch nie erlebt.» Auch die YB-Fans selbst betonen, mit den St. Galler Ultras hätten sie keine Probleme. Viele studierten ja sogar in Bern.

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