Bei der Ausschreibung von 70 Trams für die Stadt Zürich geht der Schweizer Anbieter Stadler Rail leer aus. Deren Chef Peter Spuhler äussert sich nun erstmals. Er ist über den Entscheid der Verkehrsbetriebe VBZ nicht nur enttäuscht – «das ist man immer, wenn man verliert». Spuhler ist vielmehr «schockiert», und zwar über die Art und Weise, wie Stadler Rail ausgebootet worden sei. Der siegreiche Konkurrent Bombardier sei «hochgepunktet» worden, während die anderen Anbieter, insbesondere Stadler Rail, «weggepunktet» worden seien.

Die «Rundschau» des Schweizer Fernsehens zitierte aus einem Untersuchungsbericht, der die Trambeschaffung durch die VBZ als «nicht nachvollziehbar» kritisierte. «Wenn das stimmt, ist das ein Skandal, wie ich ihn in 26 Jahren im Bahngeschäft noch nie erlebt habe», sagt Spuhler. Als Arbeitgeber mit 3000 Mitarbeitern in der Schweiz so etwas im eigenen Land zu erleben, sei unglaublich, sagt Spuhler und fordert: «Es braucht jetzt ein unabhängiges Gremium oder eine PUK, welche diese Ausschreibung untersucht und aufzeigt, was geschehen ist.» Sollte die Punktevergabe an die Anbieter tatsächlich den effektiven Evaluationen zuwiderlaufen, müssten «bei den Verantwortlichen der VBZ Köpfe rollen». Ähnliche Vorgänge habe er nicht einmal in Ländern der ehemaligen Sowjetunion erlebt.

Für den Thurgauer Unternehmer steht fest, dass es zu einer Neuausschreibung kommen muss. Sie sei zwingend, weil alle Anbieter gemäss dem Bericht Muss-Kriterien verletzt hätten, was ihren Ausschluss zur Folge haben müsse. «Wir werden alle rechtlichen Mittel ausschöpfen», sagt er. Bei einem zweiten Anlauf würde Stadler Rail «sicher wieder anbieten». Stadler Rail habe beim Preis aufgrund des starken Frankens einen Nachteil gehabt, und «wir hatten aufgrund der fehlerhaften Evaluation nicht die Chance, diesen Nachteil durch unsere technischen Stärken zu kompensieren».

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