VON NADJA PASTEGA

Mehrere Kantone melden einen akuten Mangel an Blutsreserven. «Die Spendebereitschaft hat wegen der WM und des schönen Wetters dramatisch abgenommen», sagt Anita Tschaggelar vom Blutspende-Dienst des Kantons Bern: «Wenn der Trend so weitergeht, wird es in zwei Wochen zu einem Blutengpass kommen.» Drastisch ist die Situation bei den Blutgruppen 0 negativ und B negativ: «Hier ist der Engpass bereits da.»

Auch im Kanton Zürich gibt es derzeit zu wenig Spenderblut. «Wir sind auf zwei Dritteln des Sollbestands», sagt Beat Frey, Chefarzt und Direktor des Zürcher Blutspendedienstes. «Für eine komfortable Situation benötigen wir eine Reserve von 2500 bis 3000 Blutkonserven. Im Moment haben wir etwa 1800 Konserven.»

Schweizweit sind die Blutreserven zurückgegangen. «Die Menge des gespendeten Blutes liegt derzeit rund zehn Prozent unter dem langjährigen Mittel der vorhergehenden Jahre», sagt Thomas Barth, stellvertretender Direktor beim nationalen Blutspendezentrum des Schweizerischen Roten Kreuzes in Bern. «In den nächsten beiden Wochen wird sich zeigen, ob sich die Situation beruhigt oder dramatisch wird. Dann werden wir in den Medien einen Aufruf zum Blutspenden machen.»

Verschiedene Aktionen sind bereits angelaufen. «Alle bisherigen Spender, die im System registriert sind, werden telefonisch zum Blutspenden aufgeboten», sagt Beat Frey vom Zürcher Blutspende-Dienst. Doch das reicht bei Weitem nicht – der Kanton Zürich sucht 2500 neue Spender. «Wir haben pro Monat rund 5000 Blutspenden. Diese Zahl wollen wir auf 7500 erhöhen.» Dazu werde nächste Woche im ganzen Kanton eine flächendeckende Plakatkampagne zum Blutspenden lanciert. Die Werbung werde auch mit Hängekartons in den öffentlichen Verkehrsmitteln geschaltet. «Wir ziehen diese Aktionen den ganzen Sommer über durch», so Frey.

Auch der Kanton St. Gallen hat Massnahmen ergriffen. «Wir verschicken ein schriftliches Aufgebot an alle registrierten Spender», sagt Jutta Thierbach, Leiterin des St. Galler Blutspendezentrums. «Zusätzlich kontaktieren wir die Leute telefonisch und per SMS.» Auf den Flatscreens in den Bussen der Stadt St. Gallen sei zudem ein Aufruf zum Blutspenden aufgeschaltet worden. Dieser läuft derzeit auch über den Newsticker im Intranet des Kantonsspitals St. Gallen. Die Blutreserven seien derzeit zwar noch «im Limit», sagt Thierbach: «Aber bei einer Massenkarambolage müssten wir Blutkonserven aus anderen Kantonen anfordern.»

Gerade im Sommer kann der Mangel an Spenderblut fatal sein: Reisetätigkeiten, Freizeitaktivitäten und Risikosportarten lassen den Bedarf steigen. «Im Sommer brauchen wir tendenziell mehr Blut – bei weniger Spenden», sagt Anita Tschaggelar vom Berner Blutspende-Dienst: «Das führt zu kurzfristigen Blutengpässen.»

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