Hinter der Rezeption steht eine Roboter-Dame: Sie begrüsst die Gäste und hilft beim Einchecken. Danach bringt ein autonomes Minifahrzeug das Gepäck ins Zimmer. Für allfällige Wünsche steht dort ein Robo-Butler bereit. Und nach dem Auschecken wird das Zimmer natürlich von Putzrobotern gereinigt.

Im Henn-na Hotel, das letztes Jahr in Japan eröffnete und mittlerweile auch einen Ableger in Amsterdam hat, erledigen Roboter 90 Prozent der Arbeit. Der Besitzer Hideo Sawada preist es als das «effizienteste Hotel der Welt».

Roboter stehen längst nicht mehr nur in Fabrikhallen, sondern finden ihren Weg zunehmende auch in den Dienstleistungssektor: Maschinen ersetzen Hotelangestellte. Selbstfahrende Autos machen Taxifahrer überflüssig. Computeralgorithmen erledigen die Aufgaben von Sachbearbeitern ohne menschliches Zutun.

Eine viel beachtete Studie aus Oxford kommt zum Schluss, dass in den nächsten zwei Dekaden rund die Hälfte aller derzeitigen Jobs in den USA der Automatisierung zum Opfer fallen wird. Dass das in der Schweiz nicht anders sein wird, ist wenig überraschend und belegt eine Untersuchung der Unternehmensberatung Deloitte. Auch hochqualifizierte Arbeitsplätze sind bedroht. So beträgt beispielsweise die Automatisierungs-Wahrscheinlichkeit für Buchhalter 94 und Kreditanalysten 98 Prozent.
Das wird drastische Folgen haben, für die Entlassenen selbst, aber auch für den Sozialstaat. Denn wer soll für die zusätzlich entstehenden Sozialkosten aufkommen, wenn die Hälfte der Bevölkerung arbeitslos ist? Eine Antwort könnte lauteten: die Roboter.

Wenn die Maschinenwesen schon unsere Jobs wegnehmen, dann sollen sie zumindest auch Steuern zahlen. Der Vorschlag einer Roboter-Steuer verschafft sich immer mehr Gehör: Mittlerweile beschäftigt sich sogar die EU damit. Eine parlamentarische Kommission hat bereits einen Gesetzesentwurf verfasst. Sie schlägt vor, Roboter als «elektronische Personen» zu behandeln und deren Eigentümer dazu zu verpflichten, für sie Steuern und Sozialabgaben zu zahlen. So soll das Loch gestopft werden, das eine befürchtete Massenentlassung in die Staatskasse reisst.

Für eine Robotersteuer machen sich namhafte Vertreter stark wie etwa der österreichische Bundeskanzler Christian Kern oder der Chef der Deutschen Post, Frank Appel. In der Schweiz sympathisiert der Genfer Rechtsprofessor Xavier Oberson mit dem Vorschlag. Eine Besteuerung von Robotern klinge zwar utopisch, sei aber durchaus zu prüfen, sagt er. Und auch Oliver Bendel, der sich an der Fachhochschule Nordwestschweiz mit Maschinenethik beschäftigt, findet: «Wenn die Robotersteuer dazu beiträgt, die Gewinne gerecht zu verteilen, auch an diejenigen, die wegen der Roboter entlassen werden, kann man über eine Einführung nachdenken.»

Neue Jobs entstehen
Eine Umsetzung dürfte sich aber als nicht einfach erweisen. Das Problem fängt nur schon damit an, wie man einen Roboter definiert. Sind damit Maschinen gemeint mit einer künstlichen Intelligenz? Doch wo beginnt die künstliche Intelligenz? Sind etwa die Ticketautomaten der SBB Roboter? Und sind auch Algorithmen zu besteuern? Etwa solche, die der Personalabteilung dabei helfen, die Bewerbungen auszusortieren?

Die Idee einer Robotersteuer, so zukunftsträchtig sie auch scheint, ist nicht neu. Bereits in den 1950er-Jahren kam die Idee einer Maschinensteuer auf, die in den darauffolgenden Jahrzehnten intensiv diskutiert wurde. Seither haben die Maschinen Unmengen an Jobs vernichtet, ohne Steuern zu entrichten. Der Sozialstaat hat das verkraftet, denn die neuen Technologien haben für Innovation und damit für neue Jobs gesorgt.

Das dürfte auch in Zukunft so sein, meint der Wirtschaftswissenschafter Matthias Binswanger. «Es werden zwar immer intelligentere Tätigkeiten durch Roboter ersetzt, aber dafür braucht es immer mehr Berater, Therapeuten und Experten», sagt der Professor für Volkswirtschaftslehre an der Fachhochschule Nordwestschweiz. Bemerkenswert ist etwa, dass just jene Länder mit der grössten Roboterdichte – Japan, Südkorea und Deutschland – sehr tiefe Arbeitslosenquoten aufweisen.

Doch andererseits gilt auch: Nur weil etwas bisher immer so war, heisst das nicht, dass es immer so sein wird. Was passiert, wenn neuartige Roboter auf einen Schlag alle Arbeiter eines Grosskonzerns wie Amazon ersetzen, die derzeit noch unsere Produkte im Lager suchen und verpacken? Und wenn urplötzlich ein Fahrdienst wie Uber alle seine Chauffeure entlassen wird, weil die selbstfahrenden Autos Marktreife erlangt haben? Was machen die Entlassenen dann? Werden sie – durch eine kleine Umschulung vielleicht – Berater, Therapeuten und Experten? Und falls das wirklich funktioniert, was machen sie, wenn künstliche Intelligenzen die besseren Berater, Therapeuten und Experten sind als sie?

«Künstliche Intelligenzen werden fast alles erlernen, was Menschen können – und noch viel mehr», sagt Jürgen Schmidhuber. Der Professor für künstliche Intelligenz an der Universität Lugano weiss, wovon er spricht. Seine Forschung lieferte neben anderen die Grundlage dafür, dass unsere Smartphones mit uns sprechen können, Algorithmen Katzen auf Fotos erkennen und der beste Spieler des Brettspiels Go eine künstliche Intelligenz ist. Für Schmidhuber ist klar: «Roboter und ihre Besitzer müssen hinreichend Steuern zahlen, sonst gibt es eine Revolution.»

Doch die Umsetzung einer Robotersteuer birgt weitere Probleme: Wenn ein Land wie die Schweiz morgen damit beginnen würde, dürften hiesige Firmen übermorgen ins Ausland abwandern, um Steuern zu sparen. Für den Rechtsprofessor Oberson ist deshalb klar, dass eine Robotersteuer, wenn sie eine Chance haben soll, aus einem internationalen Konsens hervorgehen muss.

Neue Ansätze fürs KI-Zeitalter
Thomas Straubhaar, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Universität Hamburg, sieht zwar die Notwendigkeit für neue Steuereinnahmen, um den Sozialstaat auch in Zukunft aufrecht zu erhalten. Er findet aber die Robotersteuer den falschen Ansatz. «Langfristig gesehen können dadurch die Wettbewerbsfähigkeit und als Folge davon sogar Beschäftigung und Wachstum gefährdet werden», warnt der Schweizer. Letztlich könnte die Robotersteuer zum Innovationskiller werden. Straubhaar hat deshalb einen alternativen Vorschlag: Statt Firmen generell für die Nutzung von Robotern zu besteuern, soll das nur dann der Fall sein, wenn sie damit auch erfolgreich wirtschaften. «Sobald Firmen Gewinne an ihre Aktionäre ausschütten, muss der Fiskus einen Anteil der Profite erhalten.» Denn dieser Gewinn spiegle ja den Mehrwert wieder, der durch die Roboter geschaffen werde.

Was auch immer genau besteuert wird, letztlich bedarf es neuer Staatseinnahmen. Davon überzeugt ist zumindest der KI-Forscher Schmidhuber. Dass eine solche Steuer letztlich zum Innovationshemmer werden könnte und damit ein Schuss ins eigene Bein bedeutet, befürchtet Schmidhuber nicht. Für ihn ist klar: «Die Roboter des bevorstehenden KI-Zeitalters werden letztlich viel produktiver sein als die heutigen Arbeiter.» Deshalb könnten die Firmen eine neue Steuer problemlos verkraften.

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