W ie viele junge Frauen und Männer rauchen regelmässig? Wie oft trinken sie exzessiv Alkohol? Und wie häufig treiben sie Sport? Diesen Fragen ging der Soziologe Thomas Abel von der Universität Bern nach. Zusammen mit seinem Team untersuchte Abel den Gesundheitszustand von rund 30 000 jungen Frauen und Männern zwischen 18 und 21 Jahren.

Das Resultat bringt grosse regionale Unterschiede zutage. So hat mehr als ein Drittel der jungen Männer in der Westschweiz eine schlechte körperliche Fitness. Im Tessin sind es dagegen nur 16 Prozent. Dafür rauchen mehr als 34 Prozent der jungen Tessiner täglich Zigaretten und sie treiben deutlich weniger Sport als ihre deutschsprachigen Kollegen. Dafür ist in der Westschweiz exzessives Trinken stark verbreitet.

Die Wahrscheinlichkeit, ob eine junge Frau oder ein junger Mann täglich raucht oder exzessiv trinkt, hängt auch von der Bildung des einzelnen Jugendlichen ab. So raucht jeder zweite junge Mann ohne Lehrabschluss. Bei den Frauen ist es ein Drittel. Ganz anders sieht es im Gymnasium aus. Hier rauchen nur 17 Prozent der Männer und 10 Prozent der Frauen. «Während immer weniger Gymnasiasten rauchen, verändert sich das Rauchverhalten bei den Berufsschülern sowie den Jugendlichen ohne Ausbildung nicht», sagt Abel.

Zudem zeigt die Studie: Hierzulande haben arme Jugendliche weniger Chancen auf ein gesundes Leben. Je schlechter die eigene Bildung, die berufliche Stellung der Eltern und deren Einkommen sind, desto grösser ist das Risiko, bereits krank zu sein oder krank zu werden. «Neben der Ausbildung ist die Herkunft einer der stärksten Einflussfaktoren, wie gesund man ist und wie alt man wird», sagt Soziologe Abel.

Deutlich widerspiegelt sich dies beim Gesundheitszustand der jungen Männer. Knapp 35 Prozent der Jugendlichen mit Eltern ohne Berufsausbildung sind übergewichtig – unter den Gutsituierten sind es nur 20 Prozent. Und mangelnde Fitness haben doppelt so häufig Jugendliche mit Eltern aus den unteren Bildungsschichten. «Bereits mit 20 Jahren sind also ärmere Jugendliche weniger gesund. Das ist alarmierend», sagt Abel. Das Elternhaus wirkt sich aber nicht nur auf den Gesundheitszustand, sondern auch auf das Gesundheitsverhalten aus. So rauchen knapp 40 Prozent der jungen Männer, deren Eltern keine Ausbildung haben, und sie treiben deutlich weniger Sport.

«Die Jugendlichen nehmen häufig das Lebensmuster der Eltern an», sagt Abel. Habe ein Vater durch die Schichtarbeit keine Zeit, joggen zu gehen, lerne der Jugendliche gar nicht, dass er am Abend noch Sport machen könnte. Unabhängig der Herkunft, sind die Frauen aber gesünder. Und sie rauchen und trinken deutlich weniger als junge Männer. Der Soziologe zieht deshalb folgendes Fazit: «Es braucht Gesundheitsförderung vor allem bei jungen erwachsenen Männern mit geringer Ausbildung und aus bildungsfernen Elternhäusern.» Davon ist auch der Präsident der Gesundheitsdirektoren-Konferenz, Carlo Conti, überzeugt: «Die Studienresultate zeigen, wie wichtig es ist, Prävention individuell auf einzelne Regionen und die Gewohnheiten von Jugendlichen anzupassen», sagt der Basler CVP-Regierungsrat.

Für den Direktor der Gesundheitsförderung, Thomas Mattig, steht fest: «Ob arm oder reich: Alle sollten die Chance haben, gesund zu leben.» Das gesunde Körpergewicht spiele dabei eine zentrale Rolle. «Ess- und Bewegungsgewohnheiten ändern sich aber nicht von heute auf morgen. Umso wichtiger ist es, auch die Gruppe der jungen Erwachsenen nachhaltig auf das Thema zu sensibilisieren.» Das gesunde Körpergewicht ist deshalb ein Schwerpunkt der langfristigen Strategie von Gesundheitsförderung Schweiz.

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