Ist es noch Privatsache oder geht es um den Ruf der Luzerner Kantonalbank (LUKB)? In der Innerschweiz werden kritische Stimmen laut, nachdem bekannt wurde, dass der Chef der LUKB, Bernard Kobler, wegen einer Affäre mit einer Prostituierten in eine Strafsache verwickelt ist. Die Frau wirft ihm unter anderem Nötigung vor, weil er sie mit Geld und Drohungen dazu bringen wollte, ein gemeinsames Kind abzutreiben, wie der «Blick» gestern berichtete. Die Staatsanwaltschaft prüft eine Anklage.

Kobler, der verheiratet ist, habe die Prostituierte 2010 in einem Zürcher Bordell kennen gelernt, schreibt die Zeitung mit Verweis auf die Strafklageschrift. In der Folge habe sich eine Liebesbeziehung entwickelt und Kobler habe der Brasilianerin in Luzern eine Wohnung besorgt. Die Frau sei schwanger geworden und der Bankdirektor (Lohn 2012: 870 000 Franken) habe ihr 150 000 Franken in bar für eine Abtreibung bezahlt. Sie habe sich dieser jedoch verweigert, worauf Kobler ihr laut Anklage gedroht habel, dafür zu sorgen, dass ihre Aufenthaltsbewilligung nicht verlängert werde. Zwar sei die Beziehung nach der Geburt des Kindes fortgesetzt worden. Der Banker habe sie jedoch zu Oralsex zwingen wollen, was von der Klägerin nunals versuchte Nötigung bezeichnet werde.
Für die Bank ist das Ganze Privatsache. Bernard Kobler mache einen «hervorragenden Job», sagt Verwaltungsrats-Präsident Mark Bachmann. Der Verwaltungsrat der Bank sei informiert «und verfolgt die Entwicklung aufmerksam».

Klar Kritischer sind die Stimmen in der Luzerner Politik. Pirmin Jung, Präsident der dominierenden CVP, verweist zwar auf die Unschuldsvermutung. «Sollten aber wesentliche Fakten zutreffen, muss sich Herr Kobler persönlich fragen, ob er noch die richtige Person für diese Funktion ist», sagt Jung. Für ihn sei das nicht primär eine juristische Frage, sondern eine der Reputation der Bank.

Auch die Grünliberalen warnen. Eine Freistellung schon während des Verfahrens sei zwar nur nötig, falls Koblers Leistungen oder der Ruf der Bank unter dem Verfahren leiden, sagt Parteipräsidentin Laura Kopp. «Herr Kobler sollte sich aber die Frage stellen, ob er dem Unternehmen und seiner Familie zuliebe nicht in Ausstand treten sollte.»

Für SP-Präsidentin Felicitas Zopfi ist die Affäre Privatsache, solange es sich um eine Einzelbeziehung handelte. «Es wäre anders, wenn das mit mehreren Prostituierten gewesen wäre», sagt sie. Vorerst keine Wertung wollen die bürgerlichen Parteien abgeben. Es sei «beschämend», wie die Geschichte aufgebauscht werde, sagt SVP-Fraktionschef Guido Müller, und FDP-Präsident Peter Schilliger sagt, es sei Sache des Verwaltungsrats, zu urteilen, ob die Sache für die Bank ein Reputationsproblem sei. Auch für die Grünen ist das eine «reine Privatsache.» «Wir haben andere Kränze auszufechten mit der Kantonalbank», sagt Sprecher Michael Töngi.

Die Regierung entzieht sich der Diskussion mit Verweis auf die privatrechtliche Organisation der Bank. Verantwortlich für die Aufsicht seien die Verwaltungsräte, sagt der parteilose Finanzdirektor Marcel Schwerzmann. Zwar könne der Kanton mit seiner 61-Prozent-Beteiligung diese faktisch bestimmen. Er sei jedoch nicht weisungsbefugt.

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