VON SANDRO BROTZ UND NADJA PASTEGA

Schwäbrig bei Gais AR am Mittwoch vor einer Woche: Am Sitz der Meteomedia AG findet eine Grill-Party für die Mitarbeiter statt. Eingeladen haben der IT-Chef und die Grafikabteilung. Gefeiert wird, dass die Meteomedia in Frankreich neu Unwetterwarnungen anbietet. Jörg Kachelmann taucht überraschend an dem Anlass auf, wie zwei Quellen dem «Sonntag» versichern: «Er riss ein paar Witze, die er im Gefängnis hörte, beantwortete keine Fragen zum Fall und liess die Mitarbeiter nach kurzer Zeit ratlos zurück.»

Der schräge Auftritt ist bezeichnend für die Unruhe in der Meteomedia-Gruppe. Nach dem durch den «Sonntag» letzte Woche publik gemachten Rücktritt von Verwaltungsrat Frank B. Werner droht neues Ungemach. Laut deutschen Presseberichten wird ein weiterer Aktionär auf eine Klärung von Kachelmanns Rolle pochen: Peter Balsiger, ehemaliger Chefredaktor des «SonntagsBlicks» und damit Ex-Vorgesetzter von Kachelmann. Balsiger besitzt ein Paket von 9Prozent an der Jörg Kachelmann Produktions AG (JPK). Der JPK gehören die Meteomedia AG in der Schweiz, die Meteomedia GmbH in Deutschland und die Hälfte der Meteoradar GmbH. Die Gruppe betreibt insgesamt 815 Messstationen. Balsiger war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Jetzt will Ex-Verwaltungsgrat Werner erwirken, dass sich der zerstrittene Aktionärskreis trifft: «Mein Anliegen ist, dass Herr Kachelmann als Verwaltungsrat zurücktritt. Seine Rolle bleibt problematisch.»

Der Star Moderator wird zum Geschäftsrisiko. Das verdeutlicht auch der Wirtschaftsinformationsdienst Teledata. Dort liegt Meteomedia bei der Risikoentwicklung unter dem Branchendurchschnitt. Die Kurve fällt markant und bewegt sich von der Risikoklasse C in Richtung D. Das heisst: Die Wahrscheinlichkeit steigt, dass bei der Meteomedia in den nächsten 12 Monaten mit einem Zahlungsausfall zu rechnen ist.

Nach Startschwierigkeiten hat sich Meteomedia zu einer Goldgrube entwickelt und im letzten Jahr 4,85 Millionen Franken Gewinn erwirtschaftet. Nicht nur Kachelmann fürchtet um sein Imperium, sondern auch Werner, der weiterhin ein Drittel der Aktien hält. Er verschärft die Tonlage: «Insbesondere weil wir eine Medienfirma sind, haben wir meiner Auffassung nach ein Kachelmann-Problem.»

Das Problem wird durch Gerüchte unter den Aktionären verstärkt, Kachelmann wolle Gelder in seine Privatgesellschaften in den USA und in Kanada verschieben. Die Sorgen sind berechtigt.

Kachelmann hat nach seiner Freilassung im kleineren Kreis bestätigt, dass sich die bisherigen Anwaltskosten bereits auf 300000 Euro belaufen. In der Ermittlungsakte hat er sein jährliches Gehalt mit 200000 Euro und sein Vermögen mit 650000 Euro angegeben. Kachelmann zerrinnt das Geld zwischen den Fingern, noch bevor der Prozess begonnen hat. Es wäre naheliegend, wenn er mit seiner relativen Aktienmehrheit von 49 Prozent versuchen würde, die Meteomedia an den hohen Kosten zu beteiligen. Dazu brauchte es jedoch zwei Schritte:

Kachelmann müsste bei der Beschlussfassung in den Ausstand treten.

Der Verwaltungsrat müsste werthaltige Sicherstellungen verfügen.

Beides ist realistisch, denn der einzige verbliebene Verwaltungsrat neben Kachelmann – der Finanzmanager Norbert Steffen – hat keine einzige Aktie und gilt als Marionette des TV-Moderators. Beide wollten sich trotz mehrmaliger Nachfrage nicht zu den geschäftlichen Wirren um Meteomedia äussern.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!