Mehr als hundert Einladungen, so schätzte es die SP-Nationalrätin Yvonne Feri einmal, erhalte sie in jeder Parlamentssession von Verbänden, Interessengruppen und PR-Büros. Den meisten Parlamentariern geht es gleich. Diese Woche erhielten die Volksvertreter nun aber Post von einer Organisation, die sich mit direktem Politlobbying bisher zurückgehalten hatte: Scientology.

Am kommenden Freitag lädt der Schweizer Zweig der Scientologen zu einer ganztätigen «Informationsveranstaltung» auf dem Berner Waisenhausplatz, in Sichtweite des Bundeshauses. «Sie ist kontrovers, sie ist umstritten, sie wird heiss diskutiert», schreibt Scientology im verschickten Merkblatt über sich selbst. Die Organisation, die von Fachleuten als Sekte eingestuft wird, will deshalb Passanten und Interessierte aus erster Hand über «Zahlen, Fakten, Pläne, Aktivitäten» informieren.

Auf Nachfrage sagt Sprecherin Annette Löffler, man habe eine «breite Palette von Personen des öffentlichen Lebens» angeschrieben. «Scientology ist ein gesellschaftliches Thema, das aus unserer Erfahrung heraus auch Parlamentarier interessiert.» In der Schweiz sei über Scientology zu wenig bekannt, und auch Politiker wiesen «grosse Wissenslücken» auf. Auch eine Medienkonferenz hat Scientology für den Tag der Informationsveranstaltung geplant.

Die PR-Offensive erfolgt im Rahmen des 40-jährigen Bestehens des Schweizer Zweigs. Laut eigenen Angaben hat Scientology hierzulande 5000 Mitglieder, was Fachleute jedoch bezweifeln. In die Schlagzeilen geriet die Sekte zuletzt in Basel, wo sie eine Grosskirche, eine sogenannte Ideal Org, errichten will. Die Eröffnung des Baus war für 2013 geplant gewesen, verzögerte sich aber.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper