VON CLAUDIA MARINKA

Die familiäre Herkunft hat offenbar einen doch höheren Einfluss auf den Schulerfolg als bisher gemeinläufig angenommen. Dies zeigt eine aktuelle Nationalfondsstudie der Erziehungswissenschafter Walter Herzog und Marianne Schüpbach von der Uni Bern. Sie haben in einer Längsschnittstudie 521 Kinder aus 11 Kantonen verglichen.

Schaut man sich beispielsweise die in den Familien gesprochenen Sprachen an, so stellt man fest, dass in rund 90 Prozent der untersuchten Familien zu Hause Schweizerdeutsch gesprochen wird – jedoch nicht ausschliesslich :

Bei einem Grossteil der Familien (58,2Prozent) ist es die einzige Sprache.

Bei 31,7 Prozent der Familien wird neben Schweizerdeutsch noch eine weitere Sprache gepflegt.

Bei 10,1 Prozent der Familien werden nur eine oder mehrere andere Sprachen als Schweizerdeutsch gesprochen.

Die häufigste Fremdsprache ist Tamilisch, gefolgt von Türkisch/Kurdisch, Albanisch sowie Sprachen aus Ex-Jugoslawien. Rund fünf Prozent der Kinder sprechen Englisch, Italienisch, Französisch, Portugiesisch oder Spanisch.

Fazit der Studie: In Familien, in denen Schweizerdeutsch gesprochen wird, fällt die Entwicklungsförderung und aktive Stimulation für das Kind positiver aus als in Familien, in denen Schweizerdeutsch und eine andere Sprache bzw. nur eine andere Sprache gesprochen wird. «Die familiale Herkunft hat einen grossen Einfluss auf den Schulerfolg. Dazu gehört auch ein Migrationshintergrund oftmals gekoppelt mit geringeren Sprachkenntnissen in der Unterrichtssprache», sagt Marianne Schüpbach.

Frühkindliche Förderung, frühe Sprachförderung von Anfang an für Mutter und Kind sei für eine optimale Förderung unabdingbar. Als Beispiel erwähnt sie das schweizweit erste Projekt dieser Art in Basel: Dort ist das frühzeitige Erlernen der deutschen Sprache im Kanton Basel-Stadt für die aus Migrantenfamilien stammenden kleinen Kinder obligatorisch. Ziel der obligatorischen Sprachspielgruppe für dreijährige Kinder mit ungenügenden Deutschkenntnissen im Kanton Basel-Stadt: Alle Kinder sollen beim Eintritt in den Kindergarten Deutsch sprechen können.

Doch Sprachkenntnisse, insbesondere in Schweizerdeutsch, ist nur ein Faktor für bessere Bildungschancen. Laut der Nationalfondsstudie sind entwicklungsfördernde Bedingungsfaktoren in der Familie zusammenfassend hohe bildungsrelevante Ressourcen, ein hoher sozioökonomischer Status, eine hohe Entwicklungsförderung und aktive Stimulation in der Familie, ausschliessliches Sprechen von Schweizerdeutsch in der Familie und ein geringes, vernachlässigendes, permissives Erziehungsverhalten der Eltern.

Im Weiteren haben aber auch individuelle Merkmale des Kindes wie der IQ und schulische Qualitätsmerkmale einen Einfluss auf eine gute Entwicklung der Kinder. Die Kernergebnisse der Studie besagen zudem: Primarschülerinnen und Primarschüler, die eine Tagesschule besuchen, können im Vergleich zu Schülern, die den Blockzeitenunterricht oder den Halbklassenunterricht besuchen, besser lesen und sind sozialer.

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