In Ägypten bedrohte der Geheimdienst mit Schweizer Sturmgewehren Demonstranten. In Bahrain marschierten die Saudis mit Schweizer Panzern ein («Der Sonntag» berichtete). Für diese Waffenlieferungen gab das Staatsekretariat für Wirtschaft Seco eine Exporterlaubnis.

Neben diesem offiziellen Waffenmarkt existiert ein schwer kontrollierbarer Graumarkt für leichte Waffen – Pistolen, Sturmgewehre, Granatwerfer oder Raketen. Der Schweizer Waffenschieber Heinrich Thomet mischt in diesem Geschäft mit – und gerät zunehmend ins Zwielicht.

Sein Name tauchte vor drei Wochen in Dokumenten der Bezirksanwaltschaft von Tel Aviv auf, wie Recherchen des «Sonntags» zeigen. Schmuel Avivi, ehemaliger israelischer Militärattaché in der Schweiz, ist dort wegen Bestechung angeklagt. Thomet soll ihm von 2002 bis 2005 Bestechungsgelder in der Höhe von mehreren zehntausend Dollar gezahlt haben. Dafür habe ihm der Diplomat Zugang zu Israels Markt verschafft.

Die Gelder flossen laut Avivi via die von Thomet in Tel Aviv gegründeten Rüstungsfirma Talon Security Consulting & Trading zu. Zwei Monate nach Avivis Ausscheiden aus dem diplomatischen Dienst machte ihn Thomet zum Direktor der Firma.

Talon ist nur eine von vielen Firmen und Beteiligungen des umtriebigen Schweizers, der 1991 zusammen mit Karl Brügger im Berner Oberland die Waffenfirma Brügger& Thomet gründete. 2005 verkaufte Thomet seine Firmenanteile an Brügger. Kurz darauf beteiligte er sich via eine Scheinfirma an einem gigantischen Deal für die US-Armee, obwohl sein Name auf einer schwarzen Liste des US-Aussenministeriums figurierte.

Seine Geschäftspartner in den USA waren die zwei Jungunternehmer Efraim Diveroli und David Packouz und deren Firma AEY in Miami. Sie hatten Ende 2005 begonnen, via Internet auf Beschaffungsaufträge der US-Armee zu bieten. Im Sommer 2006 erhielten sie den Zuschlag für die Lieferung von Munition für Kalaschnikow-Sturmgewehre.

Damit wollte die Regierung Bush die afghanischen Sicherheitskräfte im Kampf gegen die Taliban aufrüsten. Thomet besorgte mehr als 100 Millionen Patronen aus albanischen Altbeständen.

Recherchen des kanadischen Journalisten Guy Lawson, publiziert in der neusten Ausgabe des US-Magazins «Rolling Stone», bringen neue Details zur Schweizer Connection ans Licht. Demnach hatte sich das Trio im Juni 2006 an der weltgrössten Waffenmesse Eurosatory in Paris kennen gelernt. Die entstandene Kooperation war lukrativ: Die uralte Munition für die Afghanen kaufte Thomet für zwei US-Cent pro Schuss ein und verkaufte sie zum doppelten Preis an AEY. Diese wiederum verrechnete der US-Regierung das Fünffache.

Die Partnerschaft fand ein jähes Ende, als US-Beamte 2007 das Büro von AEY stürmten und Diveroli und Packouz verhafteten. Thomet verschwand von der Bildfläche.

Bei Thomets Firma BT International im bernischen Riedbach heisst es: «Er ist nicht mehr in der Schweiz.» Sein ehemaliger Geschäftspartner Karl Brügger wird nicht gern an Thomet erinnert: «Wir haben nichts mehr mit ihm zu tun. Wir arbeiten diametral anders und haben Polizei und Behörden in Europa als Kunden.» Wo Thomet sich aufhält, weiss Brügger nicht. «Montenegro, hört man.»

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