Das Wochenende verbringt Fifa-Präsident Sepp Blatter im Wallis. Gestern Vormittag reiste der 79-Jährige nach Visp, in seine Heimat, in sein Refugium. Die Schlagzeilen der Weltpresse sind dort zweitrangig. In Visp hält man zu Blatter, egal, was kommt. «Er will übers Wochenende Kraft tanken», sagt eine ihm nahestehende Person.

Die letzten Tage waren die wohl schwersten in Blatters Amtszeit. Nach der Bundesanwaltschaft und der Fifa-Ethikkommission setzten am Freitagabend auch Top-Sponsoren Blatter unter Druck: Coca-Cola und McDonald’s forderten den Walliser zum sofortigen Rücktritt auf. Visa zog wenig später nach. «Mit jedem Tag, der vergeht, leidet der Ruf der Fifa», schreiben die Konzerngiganten. Englands Verbands-Chef wittert bereits das Ende des Fifa-Chefs: «Blatter kann sagen, was er will – darauf kommt es nicht mehr an.» Ähnlich sieht es der «Spiegel» und titelte: «Die Blatter-Dämmerung».

Doch diese Stimmen lassen Blatter kalt. Via seine Anwälte liess er ausrichten, er werde nicht zurücktreten. Personen aus seinem Umfeld berichten von einem zuversichtlichen Fifa-Präsidenten. Von Sponsoren lasse er sich nicht beeindrucken, schliesslich war er es, der sie überhaupt zur Fifa holte. Erst wenn sich Dutzende Landesverbände gegen ihn stellen würden, käme für Blatter ein Rücktritt infrage. Das ist nicht der Fall.

Blatter hat noch immer Befürworter. Während sich die Weltkonzerne mit Sitz in den USA von ihm abwenden, halten die einheimischen Sponsoren zu ihm. «Wir glauben überhaupt nicht, dass es unsere Rolle ist, uns in die Politik der Fifa einzumischen», sagt Jean-Claude Biver, Präsident der Uhrenmarke Hublot. Die Uhrenmanufaktur aus Nyon ist Teil jedes WM-Spiels. Spätestens wenn der 4. Schiedsrichter die Tafel mit der Nachspielzeit hochhält, sieht die ganze Welt den Firmenschriftzug. So war es im WM-Final in Brasilien, so wird es in Russland und Katar sein. Erst im vergangenen Jahr verlängerten Fifa und Hublot die Partnerschaft für die WM 2018 und 2022. «Das ist eine kolossale Sache», sagte Biver damals.

Auch der Schweizer Fussballverband (SFV) stärkt Blatter den Rücken. «Ich kann mich den Forderungen der Sponsoren nicht anschliessen», sagt SFV-Präsident Peter Gilliéron. «Ich sehe bis zum 26. Februar 2016 keine Alternative zu Sepp Blatter.» Erst dann wählt die Fifa einen Nachfolger. Müsste Blatter jetzt gehen, würde das keinem helfen, sondern die anstehende Wahl erschweren. Ob Blatter im Februar aber noch im Amt ist, bleibt fraglich. Vor einer Woche eröffnete die Bundesanwaltschaft ein Strafverfahren gegen ihn. Im Februar 2011 soll Blatter eine «treuwidrige Zahlung» von 2 Millionen Franken an Platini geleistet haben – für Dienste zwischen Januar 1999 und Juni 2002. Zudem bestehe der Verdacht, dass Blatter im September 2005 mit der Karibischen Fussball-Union einen für die Fifa ungünstigen Vertrag abgeschlossen habe.

Auch die Ethikkommission des Fussballverbandes prüft die Vorwürfe. Bestätigt sich der Verdacht, könnte die Kommission Blatter sofort suspendieren. Im schlimmsten Fall drohen ihm und Platini lebenslange Sperren. Damit wäre es dem Fifa-Präsidenten verboten, WM-Spiele als gewöhnlicher Zuschauer live im Stadion zu sehen. Das ist durchaus möglich. Gemäss Fifa-Insidern ist es fraglich, ob die Zahlungen an Platini korrekt in den Bilanzen der Fifa verbucht wurden.

Während die ganze Welt über Blatter spricht, spricht der Fifa-Präsident über andere Themen. In seiner wöchentlichen Kolumne im hauseigenen «Fifa Weekly» geht es zwar auch um Macht, aber nicht um seine, sondern um Macht für Frauen. Mindestens 30 Prozent der Entscheidungspositionen müssten für weibliche Kandidaten reserviert werden, schreibt er. Eine Fifa-Präsidentin wird es dennoch kaum geben.

Beantworten Sie dazu die Frage der Woche
Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper