Der Verdacht: Neonazis haben die terroristische Vereinigung «Werwolf-Kommando» gegründet, um das «System» Bundesrepublik zu beseitigen. In einer Grossaktion wurden diese Woche in Deutschland, Holland und der Schweiz Razzien durchgeführt. Als einer der Köpfe der Vereinigung gilt der Schweizer Sebastien N.* Der 26-jährige Neonazi sitzt seit Mai 2012 wegen einer Schiesserei im Kanton Zürich in Untersuchungshaft.

In den Medien wird nun der Verdacht laut, dass N. aus dem Gefängnis heraus mit seinen braunen Gesinnungsgenossen vom «Werwolf-Kommando» kommunizieren konnte. Möglicherweise sogar per Internet. Nach Informationen aus Justizkreisen wurden die Fahnder allerdings nicht bei der Durchsuchung in der Zelle, sondern in seinen Effekten fündig. Darunter sollen sich unter anderem der persönliche Computer, Handys und weitere Gegenstände, die ein Häftling nicht in die Zelle mitnehmen darf, befunden haben.

Eine Kommunikation aus der Untersuchungshaft mit dem «Kommando Werwolf» wird von Rudolf Hablützel, dem Stabschef Gefängnisse Kanton Zürich, in Abrede gestellt. «Die Gefängnisse haben eigene Laptops, die gegen aussen nicht kommunikationsfähig sind. Diese werden an die Insassen für einen Franken pro Tag vermietet», so Hablützel. Er bezeichnet die Computer als bessere Schreibmaschinen. Kommt dazu: Als Untersuchungshäftling unterliegt Neonazi N. einem strengen Haftregime. Er ist 23 Stunden in der Zelle eingesperrt. Täglich darf er eine Stunde Hofgang absolvieren.

Auch wenn mit N., ein mutmassliches Führungsmitglied des «Werwolf-Kommandos», in Haft sitzt, ist die Unterstützung der Nazi-Terror-Zelle in der Schweiz grösser als bisher bekannt. Dass dem so ist, dafür sorgt Jonas S.* Der 31-Jährige ist ein enger und langjähriger Weggefährte von N. In der Schweiz hat er die «Legion Werwolf» ins Leben gerufen. Mit Bild präsentieren sich er und seine Gesinnungsgenossen auf einer russischen Social-Media-Plattform. Der Ex-Politiker der Schweizer Demokraten hat sich auch schon im KZ Buchenwald mit Hitlergruss abbilden lassen. Der Chef der «Legion Werwolf» antwortete weder auf Telefon- noch auf Facebook-Anfragen.

Ins Visier der Ermittler geriet Jonas S. bei den aktuellen Ermittlungen nicht. Das könnte sich aber bald ändern. Die Bundesanwaltschaft in Deutschland ist daran, das beschlagnahmte Material zu sichten. Neonazi-Jäger Heinz Kaiser rechnet deshalb damit, dass in der Schweiz schon bald weitere Razzien und Verhaftungen folgen werden. Als Grund dafür sieht Kaiser, dass «sich Schweizer Neonazis vermehrt in gewaltbereiten Gruppierungen organisieren und enge Kontakte zu militanten Neonazis in Deutschland pflegen». * Namen der Redaktion bekannt

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