Von Sarah Serafini

Die 900-Seelen-Gemeinde Moosleerau sorgte diese Woche landesweit für Schlagzeilen, weil sie einer Schweizer Familie die Wohnung gekündigt hatte, um diese Asylbewerbern zur Verfügung zu stellen. Unter öffentlichem Druck hat der Gemeinderat den Entscheid rückgängig gemacht. Gegenüber der «Schweiz am Sonntag» äussert sich nun die Gemeindepräsidentin. Sie sei «fassungslos» über die Reaktionen, nachdem nationale Medien über Moosleerau berichtet hatten: Sie habe viele rassistische E-Mails erhalten, die sie zutiefst erschreckt hätten, sagt Silvia Morgenthaler. «Ich und andere Mitarbeiter der Gemeinde wurden auf übelste Weise beschimpft.»

Rückblickend würde sie einiges anders machen: «Es war ein Fehler, dass die Gemeinde sich nicht persönlich mit der Familie Ottiger in Kontakt gesetzt hat, um die Wohnungskündigung mündlich zu besprechen.» Die Familie Ottiger erhielt die Mitteilung bloss per eingeschriebenen Brief. «Das war unglücklich», sagt die Frau Gemeindeammann. «Auch ist der Zeitpunkt vielleicht falsch gewählt. Dezember ist ein schwieriger Monat, um jemandem zu sagen, dass er aus der Wohnung muss.»

Silvia Morgenthaler betont, die Gemeinde besitze nur diese eine Wohnung und sie habe vergeblich versucht, eine andere Wohnung für die Asylsuchenden zu finden. Komisch nur: Als die Medien über den Fall berichteten, liess sich dann plötzlich doch eine Alternative finden.

Die Gemeindepräsidentin sagt, diese Lösung sei durch reinen Zufall kurzfristig zustande gekommen: «Der Hausbesitzer hat just in diesen Tagen erfahren, dass der Mieter ausziehen möchte. Als er den Artikel über die Familie Ottiger in der Zeitung sah, hat er sich bei uns gemeldet. Er will uns helfen und versucht, uns mit seinem Handeln ein wenig aus der Schusslinie zu nehmen.» Für Liegenschaften ist in Moosleerau eigentlich nicht die Gemeindepräsidentin zuständig, sondern Gemeinderat Daniel Dätwyler. Er weilte jedoch im Ausland. Auch er bedauert auf Anfrage, wie es gelaufen ist: «Im Nachhinein ist man immer gescheiter.» Vielleicht sei man «naiv» gewesen. Er habe gedacht, etwas Gutes zu tun.

Moosleerau ist, wie andere Aargauer Gemeinden auch, verpflichtet, eine gewisse Zahl an Asylsuchenden aufzunehmen. Will oder kann die Gemeinde dies nicht, muss sie Ersatzabgaben leisten. Letztes Jahr bezahlte die Gemeinde 8000 Franken und nahm keine Asylsuchenden auf. Mit der laufenden Revision des Sozialhilfe- und Präventionsgesetzes soll die Ersatzabgabe nun abgeschafft werden. Das heisst, die Gemeinden müssten die ihnen zugewiesenen Asylsuchenden zwingend aufnehmen.

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