Das Schweizer Paar, das im März dieses Jahres nach acht Monaten Geiselhaft in Pakistan freikam, muss nichts an seine Rettung bezahlen. Der Bundesrat hat ihnen die Heimführungskosten von je 10 000 Franken erlassen, weil sich die beiden bereit erklärt haben, Freiwilligenarbeit zu leisten. Dies bestätigt das Aussendepartement (EDA) gegenüber dem «Sonntag».

Die Berner Polizisten David O. (32) und Daniela W. (29) waren im Juli 2011 mit einem VW-Bus auf Urlaubsreise, als sie im Norden Pakistans verschleppt wurden. Gemäss offizieller Darstellung gelang ihnen im März 2012 die Flucht, als sie ihr Gefängnis in einem unbewachten Moment verlassen und sich zu einem Stützpunkt der pakistanischen Armee retten konnten. Das EDA betont, kein Lösegeld bezahlt zu haben.

Dennoch fielen beim Bund während der 259 Tage dauernden Geiselhaft substanzielle Kosten an: Rund ein Dutzend Mitarbeiter des EDA war ständig mit dem Fall beschäftigt. Noch am Tag der Freilassung sagte Aussenminister Didier Burkhalter deshalb, Reisende müssten mehr Eigenverantwortung übernehmen. Der Bund prüfe, wie weit die befreiten Geiseln an den Kosten beteiligt werden könnten.

Den Betroffenen sei vom EDA eine pauschale Beteiligung an den unmittelbaren Repatriierungskosten von je 10 000 Franken verrechnet worden, sagt nun EDA-Sprecher Pierre-Alain Eltschinger. Dabei habe man sich auf die Praxis in vergleichbaren Entführungsfällen und die geltende Rechtsordnung gestützt. Der Gesamtbundesrat habe dem EDA schliesslich die Möglichkeit gegeben, den Betroffenen die Gebühren vollständig zu erlassen, wenn sich diese zu gemeinnütziger Freiwilligenarbeit bereit erklärten. «Dies ist der Fall», sagt Eltschinger. Die früheren Geiseln würden nun «Präventionsarbeit» leisten. Im Rahmen von Auftritten an Schulen und öffentlichen Anlässen sollen sie auf eine «Sensibilisierung» für Reisen in gefährliche Gegenden hinwirken.

Aussenpolitiker kritisieren diesen Entscheid. «Auch wenn die beiden Personen Präventionsarbeit leisten, ist in diesem Fall eine angemessene Kostenbeteiligung angebracht», sagt Andreas Aebi (SVP/BE), Präsident der Aussenpolitischen Kommission des Nationalrats. Es gehe nicht darum, den beiden früheren Geiseln die gesamten Kosten aufzubürden, sagt CVP-Nationalrat Gerhard Pfister (ZG). «Wer sich aber in eine derart gefährliche Gegend begibt, kann nicht erwarten, dass der Steuerzahler für die Heimführung bezahlt.» Er frage sich zudem, was Prävention an Schulen bringe, sagt Pfister. «Es sind schliesslich nicht Kinder, die solche Abenteuerreisen unternehmen, sondern Erwachsene.»

Fragen nach der Höhe der entstandenen Kosten blockt das EDA genauso ab wie ein entsprechendes Gesuch um Akteneinsicht, wie sie das Öffentlichkeitsgesetz vorsieht. Es genüge, dass der Bundesrat und die Finanzdelegation des Parlaments über die Gesamtkosten informiert wurden, heisst es beim EDA. Im Fall eines Zürcher Ehepaars, das 2009 in Mali entführt wurde, kostete die Befreiung rund 5,5 Millionen Franken. Die Betroffenen mussten sich daran mit je 20 000 Franken beteiligen.

Auch Hannes Germann (SVP/SH), Präsident der Aussenpolitischen Kommission des Ständerats, kennt die Kosten nicht. Eine Geldleistung der beiden Berner halte er «als Warnung an Nachahmer» für sinnvoll. Klar ist, dass das EDA die Rechtsgrundlagen für eine Kostenübernahme verschärfen will. Mit den nötigen Gesetzesänderungen befasst sich eine Subkommission des Ständerats.

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