Auf der deutschen Webseite GuttenPlag-Wiki hatten Internetbenutzer die Dissertation des deutschen Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg auf Plagiate überprüft. Jetzt nimmt auch eine neue Schweizer Online-Site Uni-Plagiateure ins Visier: Campus Lab, die Betreiberin des Schweizer Studentenportals «Semestra» mit 22000 registrierten Usern, stellt heute eine Whistleblower-Hotline ins Internet.

Bei der Online-Anlaufstelle www.semestra.ch/plagiat können verdächtige wissenschaftliche Arbeiten gemeldet werden. «Wir wollen jene schützen, die vier bis fünf Jahre in eine Dissertation investieren, und diejenigen auffliegen lassen, die ihre Arbeit zusammenklauen», sagt Patrick Mollet, Geschäftsführer von Campus Lab: «Es geht uns um wissenschaftliche Transparenz und Fairness.» Mollet, der an der ETH Lausanne promovierte, ist ein erfahrener Internet-Aktivist: Er betrieb früher das Dozentenbeurteilungsportal MeinProf.ch.

«Wir werden jetzt alle 22000 Studierenden, die bei uns registriert sind, per Mail auf die neue Whistleblower-Hotline aufmerksam machen und sie auffordern, Plagiats-Verdachtsfälle zu melden», so Mollet. Neben verdächtigen Dissertationen können auch fragwürdige Bachelor- und Masterarbeiten gemeldet werden. «Sobald es einen konkreten Verdachtsfall gibt und wir das elektronische File der Arbeit haben, richten wir ein Schweizer GuttenPlag-Wiki ein», sagt Mollet.

Die Internet-Aktivisten der Piratenpartei befürworten die Offensive: «Wenn ein Schweizer Plagiats-Wiki aufgeschaltet wird, werden wir das aktiv unterstützen», sagt Parteipräsident Denis Simonet. Derweil haben die Initiatoren des deutschen GuttenPlag-Wiki angekündigt, weitere 30 Dissertation von Spitzenpolitikern zu überprüfen.

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