Der Walliser Mathieu A. ist der erste Schweizer Dschihadist und Syrien-Rückkehrer, der von der Bundesanwaltschaft verurteilt wurde. Zu 600 Tagen gemeinnütziger Arbeit. Angeworben wurde er von Terror-Anwerber Mourad Fares alias Abu Hassan – einem Franzosen mit marokkanischen Wurzeln. Laut dem französischen Innenminister Bernard Cazeneuve ist Fares ein «gefährlicher Terrorist». Er wurde letzten Herbst verhaftet.

Im französischen Magazin «Le Point» schilderte der Nahost-Spezialist Samuel Laurent letztes Jahr das Waffenarsenal der Islamisten in Frankreich: Panzerfäuste, russische Boden-Luft-Raketen, Mörser, Kalaschnikows, Sprengstoff, Munition. Laurent hatte ein Jahr lang im französischen Islamisten-Milieu recherchiert, namentlich auch im Umfeld von Fares. Laut Laurent wählte Fares mit seinem Netzwerk «die besten französischen Kämpfer der syrischen Dschihadisten-Zellen aus, um sie zu schlafenden Zellen in unserem Land zu formen».

Zu der Killer-Szene gehört Farid Benyettou, ein junger radikalislamistischer Prediger, der die drei Pariser Attentäter radikalisierte und für den Dschihad begeisterte. Benyettou wurde inzwischen zu sechs Jahren Haft verurteilt. Bei ihren Morden letzte Woche in Paris setzten die Terroristen ein Waffenarsenal ein, wie es Laurent zuvor geschildert hatte.

Während Benyettou vorwiegend in Paris und Umgebung aktiv war, kümmerte sich Fares, der in Thonon-les-Bains (F) am Genfersee aufgewachsen ist, um die Gegend von Lyon bis ins Elsass. Er war eine zentrale Anlaufstelle für die Rekrutierung von Schweizer Dschihadisten. Unter ihnen Abou Suleyman Suissery, ein Schweizer mit algerischen Wurzeln. Ein Foto (siehe oben) zeigt die beiden mit Pistolen bewaffnet.

2013 verliess Suissery seinen Wohnort Orbe im Kanton Waadt, um sich dem bewaffneten Kampf in Syrien anzuschliessen. In Orbe arbeitete auch Abu Jahja (Kriegsname) in der Nespresso-Fabrik. Wie Suissery kämpft der 27-Jährige, aufgewachsen im französisch-schweizerischen Grenzgebiet, nun in Syrien. Suissery soll zuletzt die Nummer eins, Fared die Nummer zwei einer Gruppe frankofoner IS-Dschihadisten gewesen sein.

Das alles zeigt, wie eng die grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Dschihadisten ist. Und wie gross die potenzielle Gefahr , die von ihnen ausgeht. Laut «Le Temps» stehen französische Anwerber für den Dschihad weiter mit zahlreichen Schweizern in Kontakt – vorwiegend im Welschland, unter anderem in Genf, Yverdon und Neuenburg.

Einträge im Internet mit Hasstiraden und Bildern von Hinrichtungen, gepostet von Schweizer Dschihadisten, weisen darauf hin, dass diese brutale Radikalität von ihnen übernommen wird. Und bereits organisieren sich die islamischen Extremisten immer enger in unserem Land. Laut «Le Temps» gehört dazu die Verbreitung einer radikalen Ausgabe des Korans. Aktiv dabei ist ein Genfer, der mit Suissery bekannt ist und auch eine Verbindung zum islamischen Zentralrat Schweiz haben soll.

Sicher ist, dass die Schweiz und Frankreich eng zusammenarbeiten. Kurz nach dem «Charlie Hebdo»-Attentat etwa ging bei der Einsatzzentrale Fedpol eine Fahndungsmeldung zum Kennzeichen des Fluchtfahrzeuges sowie zur Identität der vermutlichen Täter ein, wie ein Fedpol-Sprecher sagt. Die Daten gingen umgehend national an alle Polizeien sowie an das Grenzwachtkorps.

Laut dem Nachrichtendienst des Bundes sind bis jetzt 62 Schweizer in die Kampfgebiete gereist. 19 von ihnen sollen in die Schweiz zurückgekehrt sein.

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