Am Donnerstag brannte nördlich von London ein somalisches Zentrum nieder. An die Wand wurden die Buchstaben EDL gesprayt. EDL steht für English Defence League. Seit mutmassliche Terroristen den britischen Soldaten Lee Rigby mit einem Beil töteten, organisiert die EDL in England muslimfeindliche Demonstrationen. Dabei fällt sie vor allem durch ihre rassistischen Sprüche und hohe Gewaltbereitschaft auf.

Kopf der EDL ist Stephen Lennon, der öffentlich nur unter seinem Pseudonym Tommy Robinson auftritt. Für Schlagzeilen sorgte seine Aussage im Fernsehen, dass er die Ideologien des Islamhassers und norwegischen Massenmörder Anders Breivik teile. Dieser soll nach eigenen Angaben enge Verbindungen zur EDL unterhalten habe.

Recherchen von «Schweiz am Sonntag» decken jetzt auf, dass eine anonyme Gruppe in der Schweiz daran ist, die «Swiss Defence League» (SDL) aufzubauen. Bereits hat sie eine Website aufgeschaltet, auf der steht: «Swiss Defence League befindet sich im Aufbau und sucht Mitkämpfer gegen die Islamisierung der Schweiz und Europas».

Mit «maximalem» Widerstand will man die jüdische, christliche und griechisch-römische Tradition bewahren. Zugleich sollen die Islamisierung der Schweiz und Europa, der Faschismus und der linksextreme Wahn bekämpft werden. Dazu werden «Divisionen für alle Kantone gesucht». Wirre Forderungen, wie sie ähnlich der 77-fache Mörder Breivik nach seinen Attentaten in einem publik gewordenen Manifest äusserte.

Die Macher der Website verbergen sich feige in der Anonymität. Es gibt allerdings Hinweise, dass hinter der Swiss Defence League rechtsextreme Kreise stecken. Der Halter der Website ist Silvasange Ramnaath in den USA. Diese Adresse wurde auch von der Neonazi-Gruppe 848 (steht für Heil dir Helvetia) für ihre rechtsextreme Ideologie benutzt, bevor sie von der Polizei geschlossen wurde.

Ein weiterer Hinweis ist die ebenfalls von der SDL betriebene anonyme Facebook-Fanseite. Aufgeschaltet wurde sie mit der Jahreszahl 1291. Das Gründungsdatum der Schweiz ist eine beliebte Symbolzahl der Rechtsextremen.

Die SDL hat auf ihrer Seite zudem ungefragt Profile von Personen und Gruppen aufgeschaltet, die man mit «Gefällt mir» anklicken kann. Darunter ist auch der als Islamkritiker bekannte SVP-National- und Walliser Regierungsrat Oskar Freysinger. «Das ist ein Skandal. Ich will mit den Typen nichts zu schaffen haben und wusste bis anhin gar nicht, dass es sie gibt», sagt Freysinger. Er fordert, dass der Link gelöscht wird.

Neben dem Politiker erscheint auch der ehemalige SVP-Nationalrat Ulrich Schlüer, ebenfalls bekannt als Kritiker des Islams. Auch der Link zur Offiziersgruppe Giardino ist auf der SDL-Facebook-Fanseite ersichtlich. «Wir können nicht überprüfen, wer alles als Fan unserer Gruppe beigetreten ist. Wir sehen zwar die Anzahl, aber nicht die Namen. Daher können wir auch nicht beeinflussen, wo wir auf Facebook erscheinen», sagt die Offiziersgruppe Giardino dazu.

Die «Schweiz am Sonntag» wollte von Facebook wissen, wie es möglich ist, dass man ohne Wissen auf dubiosen Fan-Seiten erscheinen kann. Gleichzeitig bat sie, die Identität des Betreibers offenzulegen. Auf die E-Mail-Anfrage kam eine automatische Rückmeldung mit dem lapidaren Hinweis, dass Antworten darauf nicht gelesen werden.

Ebenso verdeckt wie Facebook verhält sich der Nachrichtendienst des Bundes (NDB). Auf die Anfrage, ob die Aktivitäten der Swiss Defence League bekannt und beobachtet werden, heisst es: «Der NDB kommuniziert seine nachrichtendienstlichen Erkenntnisse ausschliesslich gegenüber seinen Partnern und Auftraggebern, nicht aber gegenüber den Medien und der Öffentlichkeit.»

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