«Hallo. Gebe meinen liebevollen, verschmusten Hund ab.» 650 Euro verlangt User Pascal aus dem süddeutschen Saarland auf Ebay.de für seinen 1,7 Jahre alten Chihuahua-Rüden. Die Chance, dass der Hund ein neues Herrchen in der Schweiz erhält, ist gross. «Dieses Jahr haben erstmals mehr als die Hälfte der neuregistrierten Hunde keinen Schweizer Pass», sagt Denise Delley, Geschäftsführerin der Tierdatenbank Anis.

Im letzten Jahr war die Ausländerquote der neu gemeldeten Hunde hierzulande auf 49 Prozent angestiegen. Das sind rund 23 000 ausländische Hunde, oder fast doppelt so viele wie noch 2008. «Ich sehe keine Anzeichen, dass sich etwas an diesem Trend ändert», sagt Delley. Auf Rang eins liegt der Chihuahua, gefolgt vom Labrador Retriever. Am häufigsten werden die Tiere in den Nachbarländern Frankreich, Deutschland und Italien gekauft.

Den Grund für den tierischen Einkaufstourismus sieht Delley unter anderem in den Onlinebörsen wie Ebay, Tutti oder Anibis. «Dort tummeln sich Hunderte von Inseraten.» Komme hinzu, das die Hunde im Ausland oft billiger zu kaufen seien, erst recht mit der aktuellen Währungssituation. In manchen Inseraten gäbe es Hunde bereits ab 50 Euro, während in der Schweiz ein Hund im Durchschnitt 400 Franken koste, so Delley. Zuchthunde aus einem Schweizer Tierheim hingegen würden mindestens 1500 Franken kosten.

Sie erachtet den Kauf per Internet als problematisch: «In diesen Fällen hat der Käufer den Hund und seine Mutter vorher noch nie gesehen und hat oft keine Ahnung, wie sich der Hund verhält, wie er aufgewachsen ist und wie er vom Halter behandelt wurde.» Zudem würden im Ausland Hunde zum Teil günstig in einer Massenproduktion herangezüchtet, sagt Delley. «Darunter leidet aber die Sozialisierung der Welpen. Oft werden sie nach wenigen Wochen oder gar Tagen der Mutter weggenommen.» In der Schweiz geborene Welpen würden in einem individuelleren Umfeld gezüchtet, was entsprechend teurer sei.

Den Auslandeinkauf bekommen die Tierheime zu spüren. «Jedes Jahr werden rund 80 ausländische Hunde bei uns abgegeben», sagt Katja Holenstein, Leiterin des Tierheims Strubeli in Volketswil ZH. Oft hätten die Herrchen und Frauchen ihren Rex oder ihre Laika im Internet gekauft. «Diesen Hunden fehlt die mütterliche Erziehung», sagt Holenstein. Sie seien zum Beispiel nicht stubenrein oder würden ständig jaulen «Und dann kommen die Inhaber nicht mehr mit ihnen zurecht.»

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